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David Vélez – Die Disruption des Finanzwesens durch technologische Empathie

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David Vélez

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David Vélez wollte im Jahr 2012 in Sao Paolo einfach nur ein Bankkonto eröffnen, musste dafür jedoch mehrere Stunden warten, passierte schließlich gepanzerte Türen, wurde von bewaffneten Security-Guards gemustert und musste noch einige weitere Hürden überwinden, was dazu führte, dass sich der in Kolumbien geborene Stanford-Absolvent eher wie im Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses vorkam als in den Räumlichkeiten eines Dienstleisters. Was für viele Brasilianer so selbstverständlich zum Alltag gehörte wie Armut, Favelas und Perspektivlosigkeit, erwies sich für David Vélez als Initialzündung für ein Business-Modell, das ihn letztlich zum Milliardär machen würde. Seine digitale Bank „Nubank“ zählt heute mehr als 100 Millionen Kunden im gesamten lateinamerikanischen Raum. Aber wie genau hat er das geschafft?

David Vélez und der Kampf gegen das Banken-Oligopol

Vélez` Leistung wird durch die Bedingungen im Bankensektor Brasiliens der früher 2010er-Jahre in ein besonders bemerkenswertes Licht gerückt. Zu diesem Zeitpunkt wurden ca. 80 % des gesamten Marktes von fünf Banken dominiert, was zu horrenden „Angeboten“ wie beispielsweise Kreditkarten-Zinsen von etwa 400 % führte, während man auf adäquaten Kundenservice lieber völlig verzichtete. David Vélez erkannte während seiner Kontoeröffnungs-Odyssee an jenem Tag in Sao Paolo in dieser Ineffizienz, die mittlerweile längst auch zu Frust in der Bevölkerung führte, seine größte Chance. Der Gedanke war klar – eine Bank ohne physische Filialen musste her. Keine Gebühren und eine intuitive Benutzeroberfläche waren hierbei tragende Säulen seines Konzeptes. Aller Warnungen zum Trotz, dass Brasilianer niemals einer reinen Online-Bank vertrauen würden, trieb David Vélez seine Idee weiter voran und setzte statt auf physische Filialen lieber auf die Macht der Daten und der mobilen Technologie. David Vélez verstand bereits sehr früh, dass Vertrauen nicht durch prunkvolle Gebäude geschaffen wird, sondern durch Nutzerfreundlichkeit.

David Vélez

Die strategische Vision: David Vélez’ Weg zum Decacorn

Trotz seines revolutionären Konzeptes kam der Erfolg keineswegs über Nacht, sondern war das Resultat einer durchdachten Skalierungsstrategie. Eine lila Kreditkarte ohne Jahresgebühr war sein erstes Produkt und damit die Eintrittskarte in das Banken-Business. Diese Karte erfreute sich schnell insbesondere bei der jüngeren, technikaffinen Generation großer Beliebtheit, was sich über Mundpropaganda wie ein Lauffeuer verbreitete und für einen Werbeeffekt sorgte, der konventionelles Marketing quasi unnötig machte. Als sich klar abzeichnete, dass die Idee der digitalen Vertragsabschlüsse auch in diesem Sektor von der Bevölkerung angenommen wurde, erweiterte David Vélez sein Angebot um Sparkonten, Privatkredite, Investmentplattformen und auch Versicherungen. Der Clou in seinem Sortiment war die effektive Datennutzung. So nutzte er die User-Daten für die Kalkulation diverser Kreditrisiken und konnte damit Millionen Menschen spezielle Finanzdienstleistungen anbieten, die auf deren Nutzerverhalten zugeschnitten waren.

Expansion und kulturelle Adaptation durch David Vélez

Nachdem sein Unternehmen Nubank in Brasilien zu einem Big Player aufgestiegen war, nahm David Vélez den Rest des Kontinents ins Visier. Allerdings stellten sich insbesondere Mexiko und Kolumbien als neue Märkte als überaus herausfordernd dar. So herrschte beispielsweise vor allem in Mexiko eine etablierte Bargeldkultur, was dazu führte, dass er sein Konzept nicht einfach 1:1 aus Brasilien kopieren konnte. Hier war also wieder sein Näschen für die Begehrlichkeiten des Zielmarktes gefragt. Letztendlich konnte sich Nubank, die in Mexiko schließlich unter „Nu“ auftrat, auch hier durchsetzen. David Vélez investierte massiv in regulatorische Lizenzen und die lokale Infrastruktur, um ein Gerüst und Vertrauen aufzubauen, was sich auch hier schnell auszahlte und so stieg seine Bank zum größten Kreditkartengeber des Landes auf. Diese besondere Fähigkeit, die technologische Exzellenz seines Angebotes an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen, unterscheidet ihn von vielen Silicon-Valley-CEOs, die oft versuchen, ihre Lösungen der Welt ungefiltert aufzudrücken.

Das Vermögen von David Vélez

David Vélez hat mit seinem Angebot genau ins Schwarze getroffen und einen Bedarf aufgezeigt, von dem nicht einmal die Konsumenten wussten, dass sie ihn überhaupt haben. Ein Paradebeispiel eines idealen Product-Market-Fit, was ein Blick auf David Vélez` Vermögen von etwa 12-15 Milliarden Dollar eindrucksvoll verdeutlicht. Ein Wert, der nahezu ausschließlich auf seinem Anteil an Nu Holdings basiert, der Muttergesellschaft seines Banken-Imperiums, die mittlerweile auch an der New York Stock Exchange (NYSE) gelistet ist. Sein Geschäftskonzept war so überzeugend, dass sich selbst globale Big Player wie Sequoia Capital und später Warren Buffetts Berkshire Hathaway schon früh daran beteiligten. David Vélez sieht diese Gelder aber eher als Innovations-Hebel. Schließlich fließt ein beträchtlicher Teil in die Entwicklung weiterer Innovationen statt in unnötige Luxus-Güter.

David Vélez

David Vélez und die Zukunft der globalen Neobanken

David Vélez hat mit seinem Erfolg deutlich aufgezeigt, dass wesentliche technologische Innovationen vor allem auf dem fruchtbaren Boden eines gewissen Leidensdrucks der Konsumenten gedeihen können. Der Kolumbianer hat den lateinamerikanischen Raum von einer Gruppe digitaler „Entwicklungsländer“ in globale Vorreiter für Echtzeit-Zahlungssysteme und digitales Banking transformiert. Vélez hat eine quasi unbegrenzt skalierbare Cloud-Architektur im Finanz-Sektor geschaffen, die traditionellen Banken schnell den Rang abgelaufen hat. Selbst dieser Erfolg ist jedoch keineswegs das Ende der Fahnenstange. David Vélez setzt mit der KI-Integration im Bereich der Finanzberatung sowie Expansions-Plänen im Krypto-Handel immer wieder neue Maßstäbe. Mit seinen Adaptions-Fähigkeiten, seiner Kreativität und dem massiven Nubank-Erfolg im Rücken ist David Vélez noch durchaus eine Menge zuzutrauen. Man darf gespannt sein.

Bildnachweise:

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