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Ryan Cohen – vom Online-Tierfutterpionier zum aktivistischen Milliardär

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Ryan Cohen

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Ryan Cohen revolutionierte den digitalen Handel durch eine kompromisslose Fokussierung auf Kundenservice und operative Disziplin. Statt sich nach dem milliardenschweren Verkauf seiner Plattform Chewy an PetSmart auf seinem Vermögen auszuruhen, transferierte der kanadische Unternehmer sein Kapital und sein Know-how in kriselnde Traditionsunternehmen. Als größter Einzelaktionär, Chairman und CEO von GameStop treibt er heute eine der am meisten beachteten Restrukturierungen der modernen Unternehmensgeschichte voran.

Welche Einflüsse prägten Ryan Cohen in Kindheit, Jugend und ersten Geschäftsjahren?

Cohen wuchs im kanadischen Montreal in einer jüdischen Familie auf, wobei sein Vater als sein wichtigster Mentor und prägender Einfluss fungierte, der seinerzeit ein erfolgreiches Importgeschäft für Glaswaren betrieb und seinem Sohn schon früh die elementaren Grundsätze unternehmerischer Integrität und Kundenorientierung vermittelte. Anstatt eine universitäre Laufbahn einzuschlagen, entschied sich der junge Kanadier bereits als Jugendlicher für den Weg des praktischen Autodidakten.

So startete der junge Ryan Cohen bereits im Alter von 15 Jahren sein erstes eigenes Online-Geschäft, indem er Websites erstellte und sich Provisionen über Empfehlungslinks zu verschiedenen E-Commerce-Plattformen verdiente. Diese frühen Erfahrungen lehrten ihn die Funktionsweisen digitaler Akquisitionskanäle, Suchmaschinenoptimierung und Web-Analytik. Der direkte Kontakt zu Kunden und die Faszination für das damals noch junge Internet bildeten das theoretische und praktische Fundament für seine spätere Laufbahn als Plattform-Architekt.

Ryan Cohen

Wie baute Ryan Cohen die Plattform Chewy gegen die Übermacht von Amazon auf?

Im Jahr 2011 gründete Ryan Cohen im Alter von 25 Jahren gemeinsam mit Michael Day den Online-Tierbedarfshändler Chewy. Obwohl Investoren und Branchenexperten bezweifelten, dass ein Start-up gegen die erdrückende Marktmacht von Amazon im Haustiersegment bestehen könnte, setzte Cohen auf eine radikale Differenzierungsstrategie. Das Herzstück des Erfolgs bildete ein unvergleichlicher 24/7-Kundenservice mit handgeschriebenen Grußkarten, handgemalten Haustier-Porträts und persönlicher Beratung.

Durch den Aufbau modernster Logistikzentren und eine hocheffiziente Lieferinfrastruktur steigerte Ryan Cohen den Jahresumsatz von Chewy innerhalb weniger Jahre auf über 3,5 Milliarden US-Dollar, bevor dann im Frühjahr 2017 der historische Coup folgte: Der Zoofachhändler PetSmart übernahm Chewy für rund 3,35 Milliarden US-Dollar – die bis dahin größte Akquisition eines E-Commerce-Unternehmens in der Wirtschaftsgeschichte. Cohen begleitete den Übergang bis 2018 und sicherte sich damit beträchtliches Kapital für künftige Finanzmarkt-Engagements.

Warum wählte Ryan Cohen den kriselnden Videospielhändler GameStop für seinen Einstieg?

Nach seinem Ausstieg bei Chewy bündelte Ryan Cohen sein Anlagekapital über seine Holding RC Ventures und investierte zunächst massiv in solide Dividendenwerte wie Apple. Ende 2020 identifizierte er indes beim schwer angeschlagenen stationären Videospielhändler GameStop eine drastische Unterbewertung, kaufte schrittweise einen Anteil von über 12 Prozent auf und forderte in einem offenen Brief an das Management eine radikale Abkehr vom veralteten Filialgeschäft hin zu digitaler Exzellenz.

Sein Einstieg elektrisierte Millionen von Privatanlegern auf Plattformen wie Reddit und löste im Januar 2021 den legendären „GameStop Short Squeeze“ aus, der globale Hedgefonds in massive Schieflagen brachte. Cohen nutzte den rasanten Wertanstieg nicht zum schnellen Ausstieg, sondern ließ sich in den Aufsichtsrat wählen und übernahm im Juni 2021 das Amt des Chairman. Er besetzte Schlüsselpositionen mit ehemaligen Führungskräften aus seinem Chewy-Netzwerk und leitete die strategische Neuausrichtung des Konzerns ein.

Wie transformierte Ryan Cohen GameStop zurück in die operative Profitabilität?

Als Ryan Cohen im September 2023 zusätzlich das Amt des Chief Executive Officer übernahm, verzichtete er demonstrativ auf jegliches Gehalt oder Bonuszahlungen, um seine Interessen vollständig mit denen der Aktionäre zu synchronisieren. Unter seiner Führung unterzog sich GameStop einer rigorosen Kostenkur: Unrentable Filialen wurden geschlossen, Vertriebs- und Verwaltungskosten um fast 50 Prozent gesenkt und das margenstarke Geschäft mit Sammlerstücken und Gaming-Hardware ausgebaut.

Gleichzeitig nutzte das Management volatile Marktphasen geschickt für gezielte Kapitalerhöhungen, wodurch GameStop ein Barpolster von mehreren Milliarden Dollar ohne nennenswerte Schulden aufbauen konnte. Wenn Sie die Finanzberichte analysieren, zeigt sich die operative Wende: Nach jahrelangen Verlusten führte der Sanierer das Unternehmen zurück in profitable Gefilde und sicherte dem Traditionshändler eine solide bilanzielle Unabhängigkeit für strategische Zukäufe.

Ryan Cohen

Ryan Cohen und das strategische Erbe eines unkonventionellen Value-Investors

Ryan Cohen steht für eine moderne Symbiose aus unternehmerischer Gründermentalität und aktivistischem Value-Investing nach dem Vorbild von Warren Buffett. Seine Philosophie basiert auf absoluter Kapitaleffizienz, radikalem Kundenfokus und einer tiefen Skepsis gegenüber überbezahlten Management-Etagen der Wall Street.

Ryan Cohen bewies sowohl im Aufbau eines Milliarden-Start-ups aus dem Nichts als auch in der Sanierung eines krisengeschüttelten Einzelhändlers außergewöhnliche Führungsstärke und bleibt damit eine der faszinierendsten sowie einflussreichsten Unternehmerpersönlichkeiten der modernen Finanz- und Einzelhandelswelt – ein Stratege, der traditionelle Marktgesetze mit unkonventionellen Methoden immer wieder neu definiert.

Bildnachweise:

Bill Jerome / Flickr via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0  (zugeschnitten)

picture alliance / Sipa USA | Cristian Bonaviri

picture alliance / Sipa USA | SOPA Images

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