Las Vegas steht für Glamour, Showbusiness und Glücksspiel. Ein Umfeld, in dem sich windige Promoter und zwielichtige „Geschäftsleute“ zweifelhafte Einkommensströme mit noch dubioseren Methoden gesichert haben. Ein Spielplatz für Zuhälter, Bestechung und Mafia-Methoden. Auch wenn sich die Zustände diesbezüglich in der Glücksspiel-Hauptstadt der Welt mittlerweile deutlich verbessert haben, gilt Las Vegas noch immer als heißes Pflaster für Glücksritter im Investoren-Kontext. Inmitten dieses herausfordernden Umfeldes tummeln sich jedoch glücklicherweise durchaus seriöse Unternehmer, die mit völlig legitimen Geschäftsmodellen nicht nur ihren Lebensunterhalt bestreiten, sondern sogar zu stattlichem Reichtum gelangt sind. Unter dieser unternehmerischen Elite stechen zwei Personen besonders hervor…die Milliardärs-Brüder Frank und Lorenzo Fertitta. Aber warum eigentlich? Was haben diese Männer anders gemacht und wie haben sie sich ein Milliarden-Imperium aufbauen können?
Die „Locals“-Strategie: Profitabilität abseits des Strips
Insbesondere in den 80er und 90ern haben große Casino-Tycoons Milliarden Dollar in funkelnde Prestige-Projekte am Touristen-Magneten der Stadt, dem Las Vegas Strip, investiert, um sich die Gunst internationaler Besucher zu sichern, die millionenfach jedes Jahr in die Stadt strömten. Frank und Lorenzo Fertitta hingegen haben sich für eine fundamental andere strategische Ausrichtung entschieden. Auch hier zeigt sich wieder, dass ein „out of the box“-Denken gute Unternehmer von durchschnittlichen Geschäftsleuten unterscheidet, denn tatsächlich haben sich nicht wenige Investoren vor allem zu jener Zeit finanziell völlig verhoben und sind deshalb irgendwann gescheitert. Wie wir bereits bei vielen Milliardären wie beispielsweise auch Vince McMahon gesehen haben, besteht einer der „USPs“ sehr erfolgreicher Unternehmer darin, gegen den Strom zu schwimmen und eben nicht nachzumachen, was alle tun. So sind auch die Fertittas ihren eigenen Weg gegangen und haben sich auf ein Asset konzentriert, das im Schatten der riesigen und glänzenden Las Vegas Strip-Projekte geradezu stiefmütterlich vernachlässigt wurde; nämlich den lokalen Markt mit den tatsächlichen Bewohnern der Stadt. Basis dieses Geschäftsmodells war die Erkenntnis, dass die tausenden, in der Touristik-Branche angestellten Locals selbst Bedürfnisse hatten, die in den Touristen-Hotspots nicht bedient wurden. Daher setzten Frank und Lorenzo auf eine Art Marktsegmentierung und schufen Casinos, die eher wie kommunale Zentren wirkten als wie Hochglanz-Touristen-Magneten und beispielsweise auch Bowlingbahnen, Kinos und erschwingliche Gastronomie beinhalteten. Ein wirtschaftlicher Volltreffer, wie sich schnell herausstellen sollte, da man nicht auf die Volatilität des Tourismusgeschäfts setzte, sondern auf die Stabilität und Kontinuität des täglichen lokalen Marktes.
Die Basis des Erfolges waren hier im Wesentlichen zwei Manöver …
- Datengestützte Kundenbindung – Die von den Fertittas betriebene „Station Casinos“-Kette war Pionier im Bereich Treueprogramme. Auf Grundlage des Spielverhaltens der lokalen Stammkunden konnten gezielte Marketingmaßnahmen genutzt werden, um Streuverluste auf ein Minimum zu reduzieren.
- Kapitalmarkt-Disziplin – Durch den Gang an die Börse im Jahr 1993 transformierten die Fertittas den Familienbetrieb in einen hochgradig liquiden Konzern, der das Vermögen der Brüder vervielfachte.
Wenn der alte Schulfreund mit einer Business-Idee kommt
Ein weiterer Meilenstein, der sich anfangs als Himmelfahrtskommando darstellte, später aber dennoch Milliarden abwarf, war einem alten Freund aus Kindheits-/Jugendtagen geschuldet. Dana White, der sich seinerzeit als Manager von Kampfsportlern durchschlug, kontaktierte die Brüder mit dem Vorschlag, die zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Insolvenz stehende UFC zu übernehmen. Auch hier sehen wir wieder zwei wesentliche Eigenschaften erfolgreicher Unternehmer – Dana White hatte eine Vision und sah in diesem Sport ein Potential, das kein anderer sah während die Fertitta-Brüder bereit waren, ein großes unternehmerisches Risiko einzugehen, dass niemand anderer einzugehen bereit war. Letztlich entstand aus dieser eher nostalgischen Verbindung aus Jugend-Tagen eine der lukrativsten Partnerschaften der Sportgeschichte. Zu diesem Zeitpunkt war das Produkt „UFC“ am Boden – Kabelanbieter weigerten sich, die Kämpfe zu übertragen und Politiker strebten sogar ein Verbot des MMA-Sports im Allgemeinen an. An diesem Punkt kam dem ganzen Projekt allerdings die Erfahrung der Fertittas aus dem Casino-Geschäft zugute. So suchten sie beispielsweise aktiv die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Kommissionen und passten den Sport bzw. die UFC so an, dass letztlich alle erforderlichen Lizenzen erteilt werden konnten. Schließlich war eines klar – ein legaler und regulierter Sport war deutlich vermarktungsfähiger und daher erheblich mehr wert als ein Untergrund-Produkt. Der Rest ist Sportgeschichte. Die UFC ist mittlerweile zur erfolgreichsten Kampfsport-Promotion der Welt mit einem Wert im zweistelligen Milliardenbereich avanciert, veranstaltet Events auf der ganzen Welt und überträgt diese in fast 200 Länder.
Fakten – die finanzielle Evolution der Fertitta-Assets
- 1993: Börsengang von Station Casinos; Markteintritt als börsennotierte Milliardäre.
- 2001: Kauf der UFC für 2 Mio. USD – finanziert aus den Einnahmen des Glücksspielgeschäfts.
- 2005: Investment von ca. 44 Mio. USD Eigenkapital, um das Reality-Format „The Ultimate Fighter“ zu finanzieren, was den Turnaround einleitete.
- 2011: Übernahme des Konkurrenten Strikeforce; finale Marktkonsolidierung im MMA-Sektor.
- 2016: Exit der UFC für 4 Mrd. USD an WME-IMG (heute Endeavor).
- 2024+: Fokus auf Red Rock Resorts (Marktwert im Milliardenbereich) und globale Private-Equity-Investments.
Die Psychologie des Erfolgs: Komplementäre Führung
Ob Casinos oder MMA – der wirtschaftliche Erfolg der Fertitta-Brüder ist zu einem wesentlichen Teil der partnerschaftlichen Dynamik zwischen beiden geschuldet. So gilt Frank Fertitta III als der „Herr der Zahlen“, der im Hintergrund die finanzielle Komponente überwacht und verwaltet, wohingegen Lorenzo eher als das „Gesicht“ der Fertittas fungiert und als Deal-Maker in Konferenzräumen ebenso sicher auftritt wie in der Öffentlichkeit. Beide teilen jedoch Eigenschaften, die auch viele andere Milliardäre auszeichnen – out of the box-Denken, Disziplin, visionäre Strategien und vor allem auch Mut zum Risiko sowie strategische Geduld. Schließlich hielten sie an der UFC fest und investierten zweistelligen Millionen-Beträge aus ihrem Casino-Vermögen als das Unternehmen defizitär agierte. Diese Fähigkeit, „länger unter Wasser zu bleiben als die Konkurrenz“, ist ein Asset, dass ihnen bereits im Casino-Business zu einem Milliarden-Vermögen verholfen hat und war letztlich auch der Garant für die Erfolgsstory der UFC.
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