Giesecke+Devrient (G+D) gehört seit mehr als 170 Jahren zu den weltweit führenden Unternehmen im Bereich Zahlungssysteme, Banknotenproduktion und Sicherheitslösungen. Hinter dem Erfolg steht in weiten Teilen eine traditionsreiche Gesellschafterfamilie: die von Mitschke-Collandes. Eine der wichtigsten Vertreterinnen dieser Familie ist Verena von Mitschke-Collande.
Banknoten, Biometrie und Druckkunst: Giesecke+Devrient-Gesellschafterin Verena von Mitschke-Collande

picture-alliance / dpa | Frank Mächler
Wurzeln im Hause Giesecke & Devrient
Verena von Mitschke-Collande (* 2. Februar 1949) ist eine deutsche Stifterin und Multimillionärin, die als Miterbin und Miteigentümerin des Sicherheits- und Banknotenkonzerns Giesecke+Devrient auftritt. Sie ist die Tochter des Unternehmers Siegfried Otto und der Unternehmenserbin Jutta Devrient. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Claudia Miller übernahm sie nach dem Tod des Vaters im Jahr 1997 dessen Firmenanteile zu gleichen Teilen, während ihre Brüder bereits 1994 vorzeitig ausbezahlt wurden.
Die Familie von Mitschke-Collande ist mit Giesecke & Devrient (heute meist abgekürzt als G+D) seit den 1930er- und 1940er-Jahren eng verbunden. Das Unternehmen selbst wurde bereits 1852 von Hermann Giesecke und Alphonse Devrient in Leipzig gegründet. Von der Herstellung hochwertiger Banknoten- und Wertpapierdrucke entwickelte es sich im 20. Jahrhundert zu einem Weltmarktführer im Bereich Sicherheits- und Zahlungslösungen.
Durch Familienbande und Erbschaften blieb das Unternehmen in Privatbesitz, wobei die Anteile über Generationen weitergegeben wurden. Verena von Mitschke-Collande wuchs in diesem Umfeld auf, das Tradition und Innovation vereint. Seit der Nachkriegszeit residiert G+D in München und hat sich von dort zum globalen Technologiekonzern entwickelt, der unter anderem Sicherheits-Chips, kontaktlose Zahlungssysteme und Identitätslösungen anbietet.
Vom diskreten Privatleben zum internationalen Firmennetzwerk
Während andere Unternehmerfamilien ihre Vermögensverhältnisse gelegentlich öffentlich kommentieren, setzen die Gesellschafter von Giesecke+Devrient auf Diskretion.
Verena Mitschke-Collande, die von 2009 bis 2024 Mitglied des Aufsichtsrats von Giesecke+Devrient war, hat vier Kinder, die seit 2012 auch am Unternehmen beteiligt sind. Im Sommer 2015 übertrug sie die Leitung der gebundenen Vermögensverwaltungsgesellschaft ihrem Sohn Sylvius.
Sichtbar wird Verena von Mitschke-Collandes Rolle vor allem in der Gesellschafterversammlung und in Gremien, die über langfristige Strategien entscheiden. Dort gilt sie als wichtige Stimme, wenn es um Fragen der globalen Ausrichtung des Konzerns geht: Soll das Portfolio stärker auf Biometrie ausgelegt werden? Welche digitalen Zahlungslösungen versprechen nachhaltiges Wachstum? Als Miterbin der Familienanteile trägt sie Verantwortung für mehrere Tausend Mitarbeitende weltweit und für ein Unternehmen, das als eine der wenigen deutschen Firmen sowohl Hightech-Produkte als auch sicherheitskritische Druckereien betreibt.
Das Unternehmen G+D im Überblick
Giesecke+Devrient beschäftigt nach eigenen Angaben rund 14.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von nahezu drei Milliarden Euro pro Jahr. Das Tätigkeitsfeld ist breit gefächert:
- Banknotendruck und -verarbeitung: G+D entwickelt und druckt Banknoten für zahlreiche Zentralbanken und bietet Maschinen an, die Geldscheine auf Fälschungen prüfen und aussortieren.
- Digitale Sicherheitslösungen: Ob Smartcards für das bargeldlose Zahlen, SIM-Karten für Mobilgeräte oder Sicherheitschips für Industrieanwendungen – G+D spielt in diesen Feldern eine führende Rolle.
- Pass- und ID-Systeme: G+D entwickelt Technologien für biometrische Ausweise, ePässe und komplexe ID-Management-Plattformen.
Mit seinen internationalen Tochtergesellschaften ist das Unternehmen auf allen Kontinenten präsent. Dabei steht es in einem globalen Wettbewerb mit staatlichen Druckereien, Technologie-Anbietern und privaten Sicherheitsfirmen. Für Verena von Mitschke-Collande bedeutet dies vermutlich eine ständige Gratwanderung zwischen Innovationsdruck, Investitionsentscheidungen und der Bewahrung einer langen Familientradition.
Vermögensfragen: familiärer Besitz und öffentliche Zurückhaltung
In Vermögensrankings taucht der Name Verena von Mitschke-Collande nur sporadisch auf – wenn überhaupt. Schätzungen von Wirtschaftsjournalisten gehen davon aus, dass die Familie von Mitschke-Collande als Ganzes ein Milliardenvermögen besitzt, das durch die Mehrheitsbeteiligung an Giesecke+Devrient gestützt wird. 2015 wurde das Finanzvermögen der Familie von Mitschke-Collande auf etwa 350 Millionen Euro geschätzt, wodurch sie zu den 500 reichsten deutschen Familien gehörte. 2019 lag die Familie in der Liste der reichsten Deutschen Familien laut Manager Magazin auf Platz 204 mit 800 Millionen Euro. G+D selbst ist jedoch nicht börsennotiert, sodass offizielle Marktbewertungen oder detaillierte Einblicke in den Unternehmenswert fehlen.
Medienberichte nennen gelegentlich einen zweistelligen Prozentsatz an Unternehmensanteilen, den Verena von Mitschke-Collande gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern halten soll. Da Privatunternehmen in Deutschland gesetzlich nicht verpflichtet sind, detaillierte Auskünfte über ihre Anteilseignerstrukturen zu geben, bleibt die genaue Verteilung unklar.
Die Familie und damit auch Verena von Mitschke-Collande pflegen einen vorsichtigen Umgang mit Medien. In den seltenen Interviews zum Unternehmen steht meist dessen Technologiekompetenz im Vordergrund, nicht persönliche Finanzfragen. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass G+D weitgehend frei von Publikumsdruck agieren kann.
Gesellschaftliches und kulturelles Engagement von Verena von Mitschke-Collande
Abseits der Business-Seite setzen Mitglieder der Familie von Mitschke-Collande häufig Akzente im Kulturbereich oder fördern lokale Initiativen. So ist Mitschke-Collande Initiatorin und Vorsitzende des Stiftungsrates der 2010 gegründeten Giesecke+Devrient Stiftung. Diese unterstützt wiederum finanziell die Stiftung Werkstattmuseum für Druckkunst. Darüber hinaus ist die deutsche Millionärin Mitglied des Kuratoriums der Förderer und Freunde der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB).
2011 erhielt Verena Mitschke-Collande den Bayerischen Verdienstorden, vier Jahre später wurde ihr der Sächsische Verdienstorden für ihre wirtschaftliche und kulturelle Förderung im Bundesland Sachsen verliehen. Des Weiteren wurde sie mit der Ehrenmedaille der Stadt Leipzig für den Aufbau und den Erhalt des Museums für Druckkunst geehrt.
Historisch gesehen kam diese Haltung nicht von ungefähr: Als Hersteller von Banknoten und Sicherheitsdokumenten ist sich G+D der gesellschaftlichen Relevanz seiner Produkte bewusst. Werte wie Stabilität, Vertrauen und Respekt vor Tradition spielen seit jeher eine große Rolle. Entsprechend stammen viele Engagements in Kunst- und Kulturförderung aus dem Umkreis der Gesellschafterfamilien.
Kontroversen: Datensicherheit und globale Herausforderungen
Als großer Anbieter von Sicherheitslösungen ist G+D immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik, wenn es um Datenschutz und Überwachungstechnologien geht. Biometrische Lösungen, digitale Ausweissysteme und SIM-Karten erfordern eine sorgfältige Balance zwischen Komfort, Sicherheit und Privatsphäre der Nutzerinnen und Nutzer. Nichtregierungsorganisationen weisen gelegentlich darauf hin, dass solche Technologien missbraucht werden könnten – etwa durch Regime, die ihre Bürger stärker kontrollieren möchten.
G+D reagiert in der Regel mit dem Hinweis auf höchste Sicherheitsstandards und betont, dass man sich an die jeweiligen gesetzlichen Rahmenbedingungen halte. Als Familienunternehmen, so die Argumentation, lege man großen Wert auf langfristiges Vertrauen – erst recht in einem Geschäftsfeld, in dem Transparenz und Integrität entscheidend sind.
Ausblick: Innovation statt Stillstand
Die Zukunft von Giesecke+Devrient liegt längst nicht mehr nur im Druck von Banknoten. Digitale Bezahlsysteme, Kryptografie und Identitätsmanagement bilden derzeit Schwerpunkte, mit denen das Unternehmen auf die Transformation im Finanz- und Sicherheitssektor reagiert.
Als Miterbin trägt Verena von Mitschke-Collande dazu bei, diese Transformation aktiv zu gestalten. Neben internen Fachausschüssen und strategischen Planungsteams arbeitet G+D eng mit staatlichen Institutionen, Banken und Technologiekonzernen zusammen, um beispielsweise den nächsten Entwicklungsschritt für bargeldlose Zahlungen oder biometrische Zugangsverfahren zu definieren. So bleibt das Unternehmen wettbewerbsfähig in einer Branche, in der digitale Innovation ständig neue Geschäftsfelder eröffnet, aber auch große Investitionen erfordert.
Verena von Mitschke-Collande verkörpert die diskrete Elite in der deutschen Wirtschaft: Ihr Name ist eng mit Giesecke+Devrient verknüpft, einem Familienunternehmen, das durch den Druck von Geldscheinen und die Entwicklung hochsicherer Zahlungssysteme weltweit bekannt wurde. Die Familie setzt seit Jahrzehnten auf langfristige Planung, technologische Forschung und eine sensible Balance zwischen Tradition und Innovation.
Ob es um Banknotendruck oder digitale Zahlungsverkehrslösungen geht – Verena von Mitschke-Collande ist Teil jener Generation, die den Münchner Traditionskonzern G+D in die nächste technologische Ära führt, ohne den Blick für ihre Wurzeln zu verlieren. Ihr Wirken und das der gesamten Familie zeigen, dass auch im jahrhundertealten Druckereigewerbe Raum für Erneuerung, Wandel und globale Verantwortung besteht.