Stefan von Holtzbrinck, Jahrgang 1963, ist ein deutscher Jurist, Verleger und Milliardär. Als Sohn des Verlegers Georg von Holtzbrinck führt er das Medienunternehmen seines Vaters, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, als Vorsitzender der Geschäftsführung.
Stefan von Holtzbrinck: streitbarer Verleger, Jurist und Medienunternehmer

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Nach dem Abitur studierte Stefan von Holtzbrinck Jura und Germanistik an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Promotion absolvierte er bei Peter Lerche in München mit einer Dissertation über die Vergabe von Kabelfrequenzen.
Seine berufliche Laufbahn begann er von 1990 bis 1992 als Assistent der Geschäftsführung bei der Kirch-Gruppe in München. Anschließend baute er bis 1996 die Sparte Neue Medien innerhalb der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck auf und leitete als Geschäftsführer den Systhema Verlag. Von 1997 bis 2000 war er als Director Electronic Publishing und Managing Director bei der Nature Publishing Group tätig, einem internationalen Wissenschaftsverlag, der unter anderem die renommierte Zeitschrift „Nature“ herausgibt. Diese Gruppe ist eine Tochtergesellschaft der Macmillan Limited in London, die seit 1999 vollständig zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehört. In dieser Zeit fungierte Stefan von Holtzbrinck auch als Director von Macmillan Limited.
Führung der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck
Im Mai 2001 übernahm Stefan von Holtzbrinck den Vorsitz der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck von seinem Halbbruder Georg-Dieter von Holtzbrinck. Gemeinsam mit seiner Halbschwester Monika Schoeller hielt er bis zu deren Tod im Oktober 2019 jeweils 50 Prozent der Anteile des Unternehmens. Unter seiner Leitung erweiterte die Verlagsgruppe ihr Portfolio und investierte verstärkt in digitale Geschäftsmodelle.
Stefan von Holtzbrinck war in mehrere Kontroversen verwickelt, insbesondere im Zusammenhang mit Managemententscheidungen innerhalb der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Ein bemerkenswerter Schritt war 2007 der Erwerb des sozialen Netzwerks StudiVZ für 85 Millionen Euro. Allerdings lehnte Stefan von Holtzbrinck 2010 ein Angebot von Mark Zuckerberg ab, das eine Übernahme von StudiVZ gegen eine signifikante Beteiligung an Facebook vorsah. Diese Entscheidung gilt retrospektiv als eine der kostspieligsten Fehlentscheidungen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte, da StudiVZ wenig später geschlossen wurde.
Eine der am meisten diskutierten Entscheidungen war die Entlassung von Barbara Laugwitz als Verlegerin des Rowohlt Verlags im Jahr 2019, die von Autoren und Branchenvertretern scharf kritisiert wurde. Laugwitz galt als erfolgreiche Verlegerin, unter deren Leitung Rowohlt wirtschaftlich stabil war und namhafte Autoren gewann. Ihr plötzlicher Austausch gegen Florian Illies löste Proteste aus, da viele Autoren sich über mangelnde Transparenz in der Personalpolitik des Konzerns beschwerten. Die Lage verschärfte sich weiter, als Illies bereits ein Jahr später wieder aus der Geschäftsführung ausschied, was die Kritik an der Führungskultur und den Entscheidungsprozessen innerhalb des Unternehmens verstärkte.
Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck: ein globales Medienimperium
Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ist eines der größten Medienunternehmen Deutschlands mit einem breiten Portfolio, das sich auf Wissenschaftsverlage, digitale Medien, Zeitungen und Buchverlage konzentriert. Gegründet wurde das Unternehmen 1948 von Georg von Holtzbrinck, der es zu einem internationalen Verlagshaus ausbaute. Unter der Leitung von Stefan von Holtzbrinck hat sich die Gruppe zunehmend auf den Wissenschafts- und Bildungssektor fokussiert.
Zu den wichtigsten Tochtergesellschaften zählen die Macmillan Group, Springer Nature und Digital Science, die renommierte Fachpublikationen wie Nature und Scientific American herausgeben. Auch im deutschen Buchmarkt ist das Unternehmen mit Verlagen wie Rowohlt, Droemer Knaur und Kiepenheuer & Witsch stark vertreten. Die Verlagsgruppe besitzt zudem Beteiligungen an mehreren Zeitungsverlagen, darunter am Handelsblatt und an der Zeit-Gruppe. Trotz ihrer Ursprünge im klassischen Printgeschäft hat sich die Holtzbrinck-Gruppe erfolgreich auf digitale Inhalte und innovative Geschäftsmodelle ausgerichtet und bleibt damit ein maßgeblicher Akteur im internationalen Medienmarkt.
Engagement und Mitgliedschaften
Neben seiner Tätigkeit als Verleger engagiert sich Stefan von Holtzbrinck in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen. Er ist Vorsitzender des Stiftungsrats der Max-Planck-Förderstiftung, die die Max-Planck-Gesellschaft unterstützt. Zudem leitet er das Kuratorium „Kinderfreundliches Stuttgart“ und ist Mitglied des Vorstands der Bürgerstiftung Stuttgart. Seit 2008 gehört er dem Verwaltungsrat der Max-Planck-Gesellschaft an.
Vermögen
Als Milliardär zählt Stefan von Holtzbrinck zu den 50 reichsten Personen in Deutschland. Sein Vermögen wurde im Jahr 2024 auf 4,8 Milliarden Euro geschätzt. Neben seinem Anteil an der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ist er über die Beteiligungsgesellschaft HV Capital an zahlreichen E-Commerce-Unternehmen beteiligt, darunter Zalando, Groupon, HelloFresh und Rocket Internet.
Stefan von Holtzbrinck hat sich als innovativer Unternehmer etabliert, der traditionelle Verlagswerte mit modernen digitalen Geschäftsmodellen verknüpft. Seine Entscheidungen haben die deutsche Medienlandschaft maßgeblich geprägt, auch wenn nicht alle Investitionen den erhofften Erfolg brachten. Sein Engagement in verschiedenen Stiftungen unterstreicht zudem sein Bestreben, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.