Unternehmer, Deutschland

Nikolaus Knauf: ein Unternehmer zwischen Tradition und Expansion

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Nikolaus Knauf

picture alliance / dpa | Peter Kneffel

Nikolaus Knauf hat mit seiner unternehmerischen Vision das Familienunternehmen Knauf Gips in eine neue Ära geführt. Seine strategische Weitsicht, sein technisches Verständnis und seine unermüdliche Expansionspolitik haben das Unternehmen zu einem globalen Akteur gemacht.

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Nikolaus Wilhelm Knauf zählt zu den erfolgreichen Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft. Der Unternehmer, geboren am 8. April 1936, hat das Familienunternehmen Knauf Gips von einem regionalen Mittelständler zu einem internationalen Konzern entwickelt. Jahrzehntelang stand er an der Spitze der Firma, die heute zu den weltweit führenden Anbietern von Baustoffen zählt. Sein Wirken beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Geschäftswelt. Auch politisch und kulturell setzte er sich für verschiedenste Anliegen ein. Bis März 2022 fungierte er zudem als Honorarkonsul Russlands.

Die Kindheit von Nikolaus Knauf

Nikolaus Knauf wurde als ältester Sohn von Alfons Knauf geboren, der zusammen mit seinem Bruder Karl Knauf 1932 ein Gipswerk im moselländischen Perl gründete. Die Familie erkannte früh das Potenzial dieses Rohstoffs und baute das Unternehmen stetig aus. Später verlegte sie den Firmensitz ins unterfränkische Iphofen, wo bis heute das Herz des Unternehmens schlägt.

In diese Unternehmerfamilie hineingeboren, wurde Nikolaus Knauf das Wirtschaften quasi in die Wiege gelegt. Er wuchs in einem Umfeld auf, in dem kaufmännische Weitsicht und technologische Innovation Hand in Hand gingen. Auch privat blieb er eng mit der deutschen Wirtschaftselite verbunden: Eine seiner Töchter ist mit Anton Werhahn verheiratet, der seit 2007 Vorstandssprecher der Wilh. Werhahn KG ist, einem der traditionsreichsten Familienunternehmen Deutschlands.

So gestaltet sich Nikolaus Knaufs Karriere

Der entscheidende Karriereschritt für Nikolaus Knauf erfolgte 1969, als er gemeinsam mit seinem Cousin Baldwin Knauf, dem Sohn von Karl Knauf, in die Unternehmensführung eintrat. Beide übernahmen als persönlich haftende Gesellschafter die Verantwortung für den Betrieb. Während Nikolaus Knauf sich vorrangig der technischen Entwicklung widmete, übernahm Baldwin Knauf administrative Aufgaben. Diese klare Arbeitsteilung erwies sich als Erfolgsrezept.

Unter ihrer gemeinsamen Führung begann eine strategische Expansion von Gips, die den Betrieb von einem nationalen Produzenten zu einem Global Player transformierte. Bereits in den 1970er-Jahren wagte das Unternehmen den Schritt ins Ausland – zunächst nach Österreich, Frankreich und in die Benelux-Staaten. Doch es waren die geopolitischen Veränderungen in Osteuropa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, die eine ganz neue Wachstumsdynamik eröffneten. Über die österreichische Tochtergesellschaft sicherte sich Knauf einen starken Marktzugang in Südosteuropa.

Besonders ab den 1990er-Jahren spielte Russland eine Schlüsselrolle in der Wachstumsstrategie des Unternehmens. Knauf erkannte das immense Potenzial der sich öffnenden Märkte und investierte massiv in Produktionsstätten und Vertriebskanäle. Die Erschließung der GUS-Staaten wurde zu einem Meilenstein für die internationale Expansion des Konzerns.

2008 zog sich Nikolaus Knauf aus der operativen Geschäftsführung zurück und wechselte in den Gesellschafterausschuss. Hier teilte er sich mit Baldwin Knauf den Vorsitz – ein Zeichen für die weiterhin enge Zusammenarbeit innerhalb der Familie.

Politisches und gesellschaftliches Engagement

Neben seinen unternehmerischen Aktivitäten engagierte sich Nikolaus Knauf auch in der Politik. Als Mitglied der CSU nahm er kommunalpolitische Aufgaben wahr. Er gehörte dem Gemeinderat von Markt Einersheim bei Iphofen an und war darüber hinaus im Kreistag des Landkreises Kitzingen aktiv. Sein Interesse galt dabei insbesondere wirtschafts- und standortpolitischen Fragen.

Sein Engagement beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Politik. Auch als Förderer kultureller und sozialer Projekte machte sich Knauf einen Namen. In Iphofen gründete die Familie das Knauf-Museum, das sich zu einem wichtigen kulturellen Anziehungspunkt der Region entwickelt hat. Zudem nutzte er seine Rolle als Honorarkonsul Russlands in Nürnberg, um verschiedene Benefizveranstaltungen zu initiieren. So organisierte er mehrere Konzerte zugunsten sozialer Projekte und förderte russische Nachwuchschöre sowie Waisenhäuser.

Anerkennung und Auszeichnungen 

Für seine Verdienste in Wirtschaft, Diplomatie und Gesellschaft wurde Nikolaus Knauf mit zahlreichen Ehrungen bedacht. Zu den bedeutendsten Auszeichnungen zählen das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1990), der Bayerische Verdienstorden (1991) sowie das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2007).

Besonders bemerkenswert ist die Anerkennung durch Russland: 2006 wurde ihm der Orden der Freundschaft verliehen. Wladimir Putin persönlich überreichte ihm diese Auszeichnung als Würdigung seiner Verdienste um die russisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen.

Warum sich Nikolaus Knauf als Honorarkonsul zurückzog

Im Zuge der geopolitischen Spannungen, die durch den Ukraine-Krieg eskalierten, trat Nikolaus Knauf im März 2022 von seinem Amt als Honorarkonsul Russlands zurück. Dieser Schritt markierte das Ende einer langen diplomatischen Verbindung und verdeutlichte die schwierigen politischen Rahmenbedingungen, unter denen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland stehen.

Fazit: ein Leben für die Wirtschaft

Nikolaus Knauf hat mit seiner unternehmerischen Vision das Familienunternehmen Knauf Gips in eine neue Ära geführt. Seine strategische Weitsicht, sein technisches Verständnis und seine unermüdliche Expansionspolitik haben das Unternehmen zu einem globalen Akteur gemacht. Gleichzeitig engagierte er sich politisch und kulturell, wodurch sein Wirken weit über den Wirtschaftskontext hinausreicht.

Seine Lebensleistung spiegelt sich in der Internationalisierung von Knauf wider – einem Unternehmen, das unter seiner Führung von einer regionalen Gipsproduktion zu einem der führenden Baustoffhersteller weltweit aufstieg. Auch wenn er heute nicht mehr operativ tätig ist, bleibt sein Name eng mit der Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens verbunden.

Darüber hinaus zeigt seine Karriere, wie entscheidend unternehmerische Weitsicht für nachhaltigen Erfolg ist. Die Balance zwischen Tradition und Innovation war stets ein Leitmotiv seines Handelns. Seine strategischen Entscheidungen haben nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg von Knauf gesichert, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Damit hinterlässt er ein Vermächtnis, das weit über die Unternehmensgrenzen hinauswirkt und Knauf als Synonym für Stabilität, Fortschritt und Unternehmergeist etabliert hat.

 

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