Unternehmer, Deutschland

Nathalie von Siemens: Unternehmerin zwischen Familienerbe und gesellschaftlicher Verantwortung

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Nathalie von Siemens

picture alliance / dpa | Gregor Fischer

Nathalie von Siemens verbindet in ihrer Person die Tradition der Unternehmerfamilie mit einem modernen Verständnis von Unternehmensführung und sozialem Engagement. Durch ihre vielfältigen Rollen trägt sie maßgeblich zur Weiterentwicklung des Siemens-Konzerns und seiner gesellschaftlichen Verantwortung bei.

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Nathalie von Siemens, geboren am 14. Juli 1971 in München, ist eine deutsche Wirtschaftsmanagerin und Philosophin. Als Ururenkelin des Firmengründers Werner von Siemens vertritt sie die Interessen der Familie im Aufsichtsrat der Siemens AG und nimmt weitere bedeutende Positionen in verschiedenen Unternehmen und Organisationen ein.​

Frühe Jahre und Ausbildung

Nach dem Abitur studierte Nathalie von Siemens Philosophie in München, Berlin und Paris. Ihre akademische Laufbahn schloss sie 2004 mit einer Promotion zum Dr. phil. ab; ihre Dissertation behandelte den Begriff der Freundschaft in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles. ​

Beruflicher Werdegang

Ihre Karriere begann Nathalie von Siemens 2005 im Siemens Graduate Program, einem Trainee-Programm für General Management. In den folgenden Jahren war sie in verschiedenen Bereichen des Unternehmens tätig, darunter Unternehmensstrategie, Unternehmenskommunikation, Investor Relations und Government Affairs, sowohl in Deutschland als auch in China.

Von 2011 bis 2013 arbeitete sie im Bereich Corporate Development Executives bei der Siemens AG, wo sie Programme zur Identifikation und Entwicklung von Führungskräften leitete. Anschließend übernahm sie von 2013 bis März 2020 die Position der Geschäftsführerin und Sprecherin des Vorstands der Siemens Stiftung. In dieser Rolle setzte sie sich für Projekte in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Bildung und Kultur ein.

Seit 2015 ist Nathalie von Siemens Mitglied des Aufsichtsrats der Siemens AG. Darüber hinaus bekleidet sie Aufsichtsratsmandate bei der Siemens Healthineers AG, Siemens Healthcare GmbH, Messer SE & Co. KGaA und TÜV Süd AG. ​

Engagement in der Siemens Stiftung

Während ihrer Amtszeit bei der Siemens Stiftung legte Nathalie von Siemens besonderen Wert auf internationale und sektorübergreifende Zusammenarbeit. Sie initiierte Projekte, die soziale Kohäsion fördern und Bildung im digitalen Zeitalter vorantreiben sollten. Unter ihrer Leitung erreichte das Bildungsprogramm Experimento über eine Million Schüler in zwölf Ländern.

Vermögen und Familienhintergrund

Als Mitglied der weitverzweigten Familie von Siemens, die etwa 300 Mitglieder umfasst und rund sechs Prozent der Siemens-Aktien hält, wird ihr persönliches Vermögen auf einen Anteil dieses Familienvermögens geschätzt. ​

Politische Aktivitäten

In Bezug auf politische Aktivitäten sind keine spezifischen Engagements von Nathalie von Siemens dokumentiert. Ihr Fokus liegt auf Bildungs- und Kulturprojekten sowie der Förderung von Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung innerhalb und außerhalb des Siemens-Konzerns.​

Nathalie von Siemens verbindet in ihrer Person die Tradition der Unternehmerfamilie mit einem modernen Verständnis von Unternehmensführung und sozialem Engagement. Durch ihre vielfältigen Rollen trägt sie maßgeblich zur Weiterentwicklung des Siemens-Konzerns und seiner gesellschaftlichen Verantwortung bei.

Eckpunkte auf einen Blick:

  • Familiärer Einfluss: Sie gehört dem Siemens-Clan an, einer der reichsten und zugleich öffentlichkeitsscheusten Unternehmerfamilien Deutschlands. Dieser hält rund 6 Prozent der Siemens-Anteile, was einem Wert von 4,4 Milliarden Euro entspricht (Stand 2015). Pro Familienmitglied ergibt sich rechnerisch ein Vermögen von rund 14,7 Millionen Euro, zuzüglich einer jährlichen Dividende von etwa 580.000 Euro pro Kopf.
  • Rolle im Unternehmen: Im Januar 2015 wurde sie in den Aufsichtsrat der Siemens AG gewählt und ist damit die erste Vertreterin der Gründerfamilie seit 35 Jahren, die wieder als Kandidatin für den Aufsichtsratsvorsitz gehandelt wird. Sie trat die Nachfolge von Gerd von Brandenstein an.
  • Haltung zur Familie und Siemens: Die Familie beschreibt sich selbst als „medienscheu“. Trotz der Zurückhaltung besteht laut Nathalie von Siemens eine enge emotionale Bindung der Familie an das Unternehmen. Das zeigt sich auch daran, dass sie mehr als nur Dividenden beziehen möchte – sie will aktiv mitgestalten.
  • Soziale Herkunft: Die Familie umfasst eine Vielzahl von Persönlichkeiten aus dem etablierten Bürgertum mit akademischem oder wirtschaftlichem Hintergrund – darunter Banker, Museumsdirektoren, Professoren und auch ein Journalist (Carl von Siemens).

 

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