„Mental Models“ ist für Unternehmer in der heutigen volatilen Geschäftswelt längst kein befremdlicher Trendbegriff mehr, sondern integraler Bestandteil einer modernen Unternehmensführung. Wenn Märkte in unruhige Fahrwasser geraten und daher Lieferketten unterbrochen werden, Preise massiv schwanken und auch interne Krisen Herausforderungen schaffen, neigt das menschliche Gehirn dazu, in eine Art Panikmodus zu verfallen, was nicht selten irrationale Entscheidungen nach sich zieht, die den eigenen Betrieb im wahrsten Wortsinn teuer zu stehen kommen können. Wenn Sie sich allerdings bewusste Denkmuster angewöhnen, können Sie als Kapitän Ihr Schiff mit Besonnenheit und Weitsicht wieder auf Kurs bringen.
Warum Mental Models emotionalen Fehlentscheidungen entgegenwirken
Die sogenannten Mental Models bieten Ihnen in Ihrem Unternehmensalltag einen erheblichen Mehrwert, der sich vordergründig durch eine gewisse Vorhersehbarkeit von Denkprozessen bemerkbar macht. Vordergründig ist unser Verstand darauf programmiert, der Einfachheit halber bestimmte Parameter auszublenden und sich auf das Wesentliche zu fokussieren. In aller Regel funktioniert dieses biologische Konzept auch in vielerlei Hinsicht überaus effektiv, kann in bestimmten Situationen, wie eben in Krisenzeiten, aber durchaus auch mal zu kognitiven Verzerrungen führen. Aus diesem Grunde ist es für Sie als Unternehmer unerlässlich, sich ein gewisses Portfolio an bestimmten Denkmodellen anzueignen, um Ihre eigene Flexibilität und Resilienz zu stärken. Diese haben im Wesentlichen zum Zweck, impulsive Reaktionen auf externe Reize zu minimieren und Situationen stattdessen durch einen Filter laufen zu lassen, der Logik und Evidenz priorisiert. Diese Maßnahme reduziert beispielsweise das Risiko, in die Sunk Cost-Falle zu tappen oder andere unternehmerische Fehler zu begehen, in erheblichem Maße.
Situationen im Unternehmeralltag, die von diesen Denkmustern profitieren:
- Budgetkürzungen – Wenn Sie entscheiden müssen, welche Projekte gestoppt werden, ohne die Zukunft zu gefährden.
- Verhandlungen unter Druck – Wenn ein strategischer Partner kurzfristig Bedingungen ändert.
- Markteintritt oder -austritt – Wenn Emotionen wie Stolz oder Angst die rationale Analyse von Daten vernebeln.
- Personalentscheidungen – Wenn in Krisenzeiten die Dynamik im Führungsteam angespannt ist.
- Technologische Umbrüche – Wenn neue Trends das bisherige Geschäftsmodell radikal infrage stellen.
Das Fundament der Innovation: Mental Models und First Principles Thinking
Als eines der effektivsten Mental Models hat sich das sogenannte First Principles Thinking (Denken in Grundprinzipien) erwiesen, das beispielsweise auch Elon Musk anwendet. Hierbei geht es darum, ein Problem in seine kleinsten Einheiten zu zerlegen, anstatt sich in stupiden Rechtfertigungsparolen zu verlieren („Das haben wir schon immer so gemacht.“, „Andere machen das auch so.“ usw.). Um Ihnen dieses Modell ein wenig besser veranschaulichen zu können, kann man exemplarisch das Problem der Rohstoffpreise zur Hand nehmen. Wenn nun der Preis für einen bestimmten Rohstoff in die Höhe schnellt, fragen Sie nicht, wie Sie diesen Preis bezahlen können, sondern suchen nach Alternativen für das entsprechende Bauteil: „Aus welchen chemischen oder physikalischen Bestandteilen besteht dieses Teil wirklich, und gibt es einen fundamental anderen Weg, diese Funktion zu erfüllen?“ Dieser Gedankengang klingt im ersten Moment ein wenig plakativ – aber er spielt für Ihr unternehmerisches Denken eine wesentliche Rolle, weil er Sie dazu zwingt, sich Gedanken über neue Lösungswege zu machen.
Mental Models – das Inversionsmodell
Auch die Inversion ist ein wichtiges Tool im Rahmen der Mental Models. In diesem Fall geht es darum, den Spieß im typischen „Wie mach ich das Produkt XY erfolgreich?“-Denkmuster umzudrehen und sich stattdessen die Frage zu stellen, was eigentlich passieren müsste, damit das Projekt vollkommen floppt. Indem Sie den Misserfolg in Erwägung ziehen, identifizieren Sie Blind Spots und Risiken, die Sie im Optimismus der Planungsphase übersehen hätten. Im Unternehmensalltag bedeutet das, dass Sie sich bei der Planung Ihres nächsten Projektes einen festen Zeitraum von 6 Monaten setzen, den Sie als Zeitfenster für ein eventuelles Scheitern nutzen, um sich zu fragen, aus welchen Gründen das im Detail passieren könnte. Diese Gründe notieren Sie sich und adressieren sie umgehend im Rahmen einer Anpassung der Produktion. Eine solche Perspektivumkehr ist oft der schnellste Weg, um existenzbedrohende Fehler zu vermeiden, bevor sie entstehen.
Weitsicht durch Second-Order Thinking: Komplexität beherrschen
Ein weiterer wichtiger Baustein im Kontext der sogenannten Mental Models stellt außerdem das „Denken zweiter Ordnung“ (Second-Order Thinking) dar, das eine Art „um die Ecke denken“ zum Ziel hat. So gilt es hierbei, zu verstehen, dass jede Entscheidung eigene Folgen nach sich zieht, diese Folgen allerdings auch wieder spezielle Konsequenzen haben. Als moderner Unternehmer sollten Sie sich vom klassischen First-Order Thinking lösen, das sich an folgendem Beispiel recht gut verbildlichen lässt: „Wir senken die Preise, um den Absatz zu sichern.“ Ein adäquates Second-Order Thinking würde hier allerdings einen Schritt weiter gehen und zu Fragen führen wie: „Was bedeutet eine Preissenkung für unsere Markenwahrnehmung in zwei Jahren? Wie werden Wettbewerber reagieren? Manövrieren wir uns in einen Preiskrieg, den wir nicht gewinnen können?“ Das Second-Order Thinking-Modell ist darauf ausgerichtet, Sie vor Entscheidungen zu bewahren, die zwar kurzfristige Löcher stopfen, Ihrer Markenwahrnehmung und damit auch Ihrem Unternehmen allerdings mittel- bis langfristig erheblichen Schaden zufügen können.
Mental Models als Kompass für Ihre langfristige Unternehmensführung
Mental Models sollten keinesfalls als einmaliges Projekt angesehen werden, sondern als kontinuierlicher Bestandteil Ihrer Unternehmensphilosophie. Schließlich ist die Fähigkeit, auch in Krisensituationen die Ruhe zu bewahren und ausschließlich sachliche und durchdachte Entscheidungen zu treffen, für Sie als Unternehmer das ultimative Asset. Mit der Anwendung bestimmter Mental Models behalten Sie auch bei höchstem Wellengang das Steuer stets fest in der Hand, während viele Ihrer Mitbewerber im Panikmodus zu blindem Aktionismus tendieren.
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