Auch erfolgreiche Unternehmer brauchen einen Ausgleich! Für John Tu, Mitgründer von Kingston Technology, ist es das Schlagzeug.

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Ein Leben zwischen Kulturen: die prägenden Jahre
John Tu wurde 1941 im chinesischen Chongqing geboren, einer Stadt, die während des Zweiten Weltkriegs eine bedeutende Rolle spielte. Sein Vater war Beamter in der nationalistischen Regierung, was für die Familie in den turbulenten Jahren nach Kriegsende gravierende Folgen hatte. Als 1949 die Kommunisten die Macht übernahmen, floh die Familie nach Taiwan – ein früher Wendepunkt im Leben des späteren Unternehmers.
Schon in seiner Jugend zeigte Tu eine große Neugier für Technik. Doch das Bildungssystem in Taiwan war für ihn nicht ideal. Er träumte von einem Studium im Ausland, einer Chance, sich neues Wissen anzueignen und eine bessere Zukunft aufzubauen. Schließlich entschied er sich, nach Deutschland zu gehen. Ohne jegliche Deutschkenntnisse begann er 1960 in München einen Sprachkurs, bevor er seine technische Ausbildung aufnahm.
Die Zeit in Deutschland war herausfordernd. Neben dem Studium musste er eine zweijährige praktische Ausbildung absolvieren, die ihn in eine Schiffswerft führte. Dort wurde er oft mit Diskriminierung konfrontiert, doch anstatt sich davon entmutigen zu lassen, entwickelte er eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit. Das harte Arbeitsumfeld und der Kampf um Anerkennung stärkten seinen Charakter und bereiteten ihn auf die Herausforderungen des Unternehmertums vor.
Nach Abschluss seines Studiums der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt arbeitete er zunächst für Motorola in Wiesbaden. Doch sein Ziel lag weiter entfernt – in den USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. 1971 setzte er diesen Plan in die Tat um und zog nach Kalifornien.
Der Weg zum Erfolg: von Rückschlägen und Neuanfängen
In den USA kam John Tu erstmals intensiv mit der aufstrebenden Technologiebranche in Kontakt. Doch der eigentliche Wendepunkt kam 1978, als er David Sun kennenlernte. Die beiden teilten nicht nur die Begeisterung für Technik, sondern auch eine unternehmerische Denkweise.
1982 gründeten sie gemeinsam die Camintonn Corporation, ein Unternehmen für Computerzubehör. Der Markt war damals noch jung, und die beiden Unternehmer trafen mit ihren Produkten den richtigen Nerv. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, und 1986 verkauften sie ihr Unternehmen für sechs Millionen Dollar – eine beträchtliche Summe für die damalige Zeit. Doch das Glück war nicht von Dauer.
1987 traf der große Börsencrash auch sie. Ein Großteil ihres Vermögens löste sich in Luft auf. Für viele wäre das ein Rückschlag gewesen, von dem sie sich nicht so schnell erholt hätten. Doch John Tu sah in der Krise eine Chance. Noch im selben Jahr gründete er mit David Sun Kingston Technology.
Kingston spezialisierte sich auf Speichererweiterungsmodule für Computer – ein Markt mit enormem Wachstumspotenzial. Das Unternehmen entwickelte sich rasch zu einem der führenden Hersteller in diesem Bereich. Mitte der 90er-Jahre war Kingston so erfolgreich, dass es 1996 einen bahnbrechenden Deal mit der japanischen SoftBank abschloss: 80 Prozent der Anteile wurden für 1,5 Milliarden Dollar verkauft.
Doch anstatt sich zur Ruhe zu setzen, bewiesen Tu und Sun erneut ihr unternehmerisches Geschick. 1999 kauften sie die Anteile für nur 450 Millionen Dollar zurück – ein Meisterstück in der Geschäftswelt. Kingston blieb eigenständig und entwickelte sich weiter zum Giganten im Bereich Speicherlösungen.
Vermögen und Lebensstil: Reichtum ohne Prunk
Mit einem geschätzten Vermögen von 13,6 Milliarden Dollar gehört John Tu zu den reichsten Menschen der Welt. Trotz seines enormen Reichtums führt er ein vergleichsweise bescheidenes Leben. Er wohnt mit seiner Familie in Rolling Hills, Kalifornien, meidet den großen Luxus und verzichtet auf Statussymbole. Auch im Geschäftsleben bleibt er bodenständig. Sein Büro ist schlicht eingerichtet, er arbeitet ohne Sekretärin und setzt auf eine offene Unternehmenskultur.
Die Mitarbeiter von Kingston profitieren von diesem Ansatz. Als SoftBank 1996 einen Großteil des Unternehmens kaufte, verteilten Tu und Sun 100 Millionen Dollar als Bonus an ihre Angestellten – ein Zeichen ihrer Wertschätzung. Diese Haltung prägt Kingston bis heute: Das Unternehmen gilt als eines der mitarbeiterfreundlichsten in der Technologiebranche.
Privates Glück und künstlerische Leidenschaft
Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer ist John Tu auch leidenschaftlicher Musiker. Er spielt Schlagzeug und ist Teil der Band JT and California Dreamin‘. Die Musik bietet ihm einen kreativen Ausgleich zum Geschäftsleben. Regelmäßig tritt er mit seiner Band bei Events und Wohltätigkeitsveranstaltungen auf.
Familie spielt für ihn ebenfalls eine große Rolle. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Trotz seines vollen Terminkalenders nimmt er sich Zeit für seine Familie und betont immer wieder, wie wichtig ihm persönliche Beziehungen sind.
Engagement für Bildung und Gesellschaft
Seinen Erfolg hat John Tu nicht nur für sich genutzt – er setzt sich aktiv für wohltätige Zwecke ein, vor allem für die Förderung von Bildung. Er unterstützt die Freedom Writers Foundation, die sich für benachteiligte Schüler einsetzt. Zudem spendete er 1,2 Millionen Dollar, um jedem Erstsemester-Studenten der medizinischen Fakultät der UC Irvine ein iPad zur Verfügung zu stellen.
Auch der Journalismus liegt ihm am Herzen. 2021 half er dem Storm Lake Times, einer Pulitzer-Preis-gekrönten Lokalzeitung in Iowa, bei der Übernahme einer konkurrierenden Publikation. Sein Ziel: den unabhängigen Lokaljournalismus zu stärken, der in den USA zunehmend unter Druck gerät.
Fazit: eine Erfolgsgeschichte mit Vorbildcharakter
John Tu verkörpert den klassischen Selfmade-Millionär – und doch ist er mehr als das. Sein Lebensweg zeigt, dass Rückschläge keine Endstation sein müssen, sondern oft neue Chancen eröffnen. Vom Flüchtlingskind zum milliardenschweren Unternehmer – seine Geschichte ist ein inspirierendes Beispiel für Mut, Durchhaltevermögen und unternehmerische Vision.
Doch nicht nur sein geschäftlicher Erfolg macht ihn bemerkenswert. Seine Bescheidenheit, sein Engagement für seine Mitarbeiter und seine großzügigen Spenden zeigen, dass wahre Größe nicht nur am Kontostand gemessen wird. Für viele ist er daher nicht nur ein Vorbild in der Technologiebranche, sondern auch ein Symbol dafür, wie Erfolg und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können.