Unternehmer

Brian Acton: Der Milliardär, der seine Prinzipien über den Profit stellte

Uhr
Brian Acton

Teilen per:

Brian Acton ist in vielerlei Hinsicht eine interessante Persönlichkeit und insbesondere in der modernen Tech-Bubble eine Figur von bemerkenswerter moralischer Ambivalenz. Acton zielte nämlich nicht vordergründig darauf ab, immer neue Wege zur Monetarisierung von Nutzerdaten zu finden, so wie es die meisten Silicon Valley-Unternehmer machen, sondern entschied sich für genau den entgegengesetzten Weg.

Als Mitgründer einer der erfolgreichsten Apps der Welt, die er für eine astronomische Summe verkaufte, lehnte er Aktienoptionen im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar ab, um wegen ethischer Bedenken gegen die Geschäftspraktiken seines Käufers zu protestieren. Ein in der Branche ziemlich unübliches Vorgehen. Heite fungiert er als das finanzielle und ideologische Rückgrat der Signal Foundation und zeigt auf, dass Erfolg in der digitalen Ökonomie nicht zwingend auf der Ausbeutung privater Informationen basieren muss.

Brian Acton und die Philosophie der Schlichtheit

Brian Actons Story beginnt schon lange vor dem Multi-Milliarden-Dollar-Deal, der ihn finanziell endgültig unabhängig machte. So war er als erfahrener Software-Ingenieur mit Stationen bei Branchenriesen wie bei Apple, Adobe und Yahoo im Jahr 2009 an einem Punkt angelangt, an dem er trotz seiner Erfahrung sowohl von Facebook als auch von Twitter als Bewerber abgelehnt wurde, was letztlich dazu führte, dass er mit Jan Koum als Partner eine App namens „WhatsApp“ ins Leben rief. Actons Credo war seinerzeit ebenso einfach wie wegweisend – „No Ads, No Games, No Gimmicks“.

Zusammen mit Koum setzte er auf eine verschlüsselte Kommunikation für seine Kunden, was von diesen in einer Zeit, in der soziale Netzwerke ihre Plattformen mit Werbeanzeigen praktisch überfluten ließen, als wahrer Segen wahrgenommen wurde. Allein schon aus diesem Ansatz können Sie als Unternehmer ein wichtiges Learning mitnehmen – nämlich dass Marktdurchdringung auch durch den konsequenten Verzicht auf unnötige Features möglich ist, wenn man sich stattdessen auf das Kernversprechen konzentriert; welches in diesem konkreten Fall aus Vertrauen und Schnelligkeit besteht.

Brian Acton

Brian Acton: Der historische Bruch mit Facebook

Actons und Koums gemeinsames Projekt „WhatsApp“ wurde schließlich so erfolgreich, dass selbst Facebook daran nicht mehr vorbeikam und folglich im Jahr 2014 seine Fühler ausstreckte, um WhatsApp für 19 Milliarden Dollar zu kaufen. Auch wenn Acton damit seinen unternehmerischen Zenit erreicht hatte, brachte ebendieser Verkauf auch einen inneren Konflikt mit sich. Schließlich war Actons USP, nämlich die verschlüsselte Kommunikation OHNE Monetarisierung der Daten durch die Datengier des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg, der nun auch WhatsApp besaß, quasi ad absurdum geführt, da dieser zum Erreichen seiner Ziele zwangsläufig den Datenschutz aufweichen musste, der Acton immer heilig war.

Es brodelte also unter der Oberfläche in der Beziehung zwischen Brian Acton und Mark Zuckerberg, was im Jahr 2017 schließlich dazu führte, dass Acton das Handtuch warf und dem ganzen Projekt den Rücken kehrte. Dieser Ausstieg war innerhalb der Branche jedoch kein leiser Abgang, sondern wurde von einem wahren Paukenschlag begleitet. Durch seinen Ausstieg verzichtete er nämlich auf die Gelegenheit, sich Aktien im Wert von 850 Millionen Dollar zu sichern, weil er seinen Posten aufgab, bevor der letzte Teil dieser Vereinbarung in Kraft getreten wäre. Brian Actons legendäre Worte zu diesem großen Knall auf Twitter lauteten: „It is time. #deletefacebook“ und zementierten seinen Ruf als Rebell gegen das Überwachungskapital-Modell.

Das finanzielle Fundament von Brian Acton

Brian Acton gehört trotz dieses Verzichts auf fast eine Milliarde Dollar weiterhin dem elitären Club der „Superreichen“ an – mit einem Vermögen, dass als Zeugnis für den beispiellosen Erfolg von WhatsApp in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends fungiert.

  • Geschätztes Nettovermögen – Das Vermögen von Brian Acton wird aktuell auf ca. 3,6 Milliarden US-Dollar taxiert.
  • Haupteinnahmequelle – Der Großteil seines Reichtums stammt aus der Bar- und Aktienkomponente des WhatsApp-Verkaufs im Jahr 2014.
  • Kapitaleinsatz – Im Gegensatz zu vielen anderen Milliardären nutzt er sein Kapital nicht für prestigeträchtige Mega-Projekte, sondern investierte beispielsweise 50 Millionen Dollar als Initialzündung in die gemeinnützige Signal Foundation.
  • Philanthropie – Ein signifikanter Teil seines Vermögens fließt in Stiftungen, die sich für soziale Gerechtigkeit und medizinische Versorgung einsetzen.

Die Mission hinter Brian Actons Signal Foundation

Nach seinem Ausstieg bei Facebook suchte Brian Acton nach einem neuen Weg, seine Vision von sicherer Kommunikation dauerhaft abzusichern und fand die Antwort in einer Kooperation mit Moxie Marlinspike und der Gründung der Signal Foundation. Hier fungiert Acton nicht nur als Geldgeber, sondern auch als Executive Chairman. Dieser strategische Ansatz hebt Actons Unternehmensphilosophie wieder einmal hervor – schließlich ist das Projekt als Non-Profit strukturiert, weshalb es keine profitorientierten Aktionäre gibt, die Brian Acton mit seinem „No Ads, No Games, No Gimmicks“-Mantra erneut in die Suppe spucken könnten. Die App „Signal“ gilt heute als der sicherste Messenger der Welt und wird deshalb von Journalisten, Politikern und sicherheitsbewussten Bürgern gleichermaßen genutzt.

Brian Acton

Brian Acton: Ein Vermächtnis jenseits der Milliarden

Brian Acton hat mit seiner Story bewiesen, dass unternehmerischer Erfolg nicht nur an der Marktkapitalisierung gemessen wird, sondern auch an der Beständigkeit der eigenen Vision. Acton bleibt weiterhin der Mahner in der Silicon Valley-Bubble, der den Mut besaß, dem einflussreichsten sozialen Netzwerk der Welt den Rücken zu kehren, um die Privatsphäre von Millionen Menschen zu schützen. Damit hat er nicht nur der Profitgier den Mittelfinger gezeigt, sondern auch eine Debatte über die Ethik von Daten ausgelöst, die bis heute anhält und die Gesetzgebung weltweit beeinflusst.

Bildnachweise:

picture alliance/dpa | Matthias Balk

stock.adobe.com – tippapatt

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Taidgh Barron

Melden Sie sich für den Newsletter an

Erhalten Sie jede Woche geballtes Wirtschaftswissen und News kostenfrei per E-Mail.

Weitere Artikel

Edwin Chen

Edwin Chen: Der stille Vordenker der globalen KI-Infrastruktur

Unternehmer
Brendan Foody

Brendan Foody: Vom Studentenwohnheim zur 10-Milliarden-Dollar-Plattform

Unternehmer
Anthony von Mandl

Anthony von Mandl – der kanadische Getränkemogul

Unternehmer

Beliebteste Artikel

Steigende Bestattungskosten – Eine zunehmende finanzielle Belastung

News, Wirtschaft
Russland, Moskau: Von der Moskwa aus sind hinter der Brücke der Kreml und das Hochhaus- und Geschäftsviertel Moskwa City (Hintergrund) zu sehen.

Russland untersagt Verkauf von Raiffeisen-Tochter

Welt, News, Unternehmen, Wirtschaft
Als Nestlé-Europachef informierte Laurent Freixe (r) 2012 über das geplante Nestlé-Werk für Kaffekapseln in Schwerin, zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD, l)

Nestlé-CEO Mark Schneider tritt zurück

Wirtschaft, News, Unternehmen