Bertil Hult hat als Visionär in der Welt der Bildung große Berühmtheit erlangt. Hult hat mit EF Education First ein globales Bildungsimperium aufgebaut, während konventionelle Institutionen in starren Strukturen verharrt haben. Besonders bemerkenswert ist sein Erfolg aufgrund der Tatsache seiner eigenen Legasthenie, was ihm seine Schullaufbahn in erheblichem Maße erschwert hatte. Diese Benachteiligung war letztlich der Grundstein für seinen Antrieb, eine Lernmethode zu entwickeln, die auf Immersion und direktem Erleben basiert. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit den strategischen Weichenstellungen und Charaktereigenschaften, die ihn zu einem der erfolgreichsten und gleichzeitig diskretesten Unternehmer Europas machten.
Die Geburtsstunde von EF: Problemlösung als Geschäftsmodell
Bertil Hult erkannte schon sehr zeitig die Ineffizienz herkömmlicher Sprachunterrichts-Methoden. Mit der Vision, eine erhebliche Verbesserung herbeizuführen, kam er zu dem Schluss, einen sehr viel pragmatischeren Ansatz zu verfolgen – Sprache lernt man dort am besten, wo sie gesprochen wird. Gesagt, getan und so schickte er die ersten schwedischen Schüler mit eher überschaubarem Startkapital nach England. Ein solche Sprachreise mag aus heutiger Sicht keineswegs ungewöhnlich erscheinen; zur damaligen Zeit allerdings war das ein revolutionärer Ansatz, der massive pädagogische und logistische Herausforderungen mit sich brachte. Bertil Hults Ansatz, auf völlige Immersion zu setzen, war mehr oder weniger aus der Not heraus geboren, weil es ihm durch seine Legasthenie selbst nahezu unmöglich war, seine sprachlichen Fähigkeiten durch das Lesen von Lehrbüchern zu verbessern. Das reine Zuhören und Sprechen im Ausland erwies sich daher für ihn als deutlich zielführender. Ein Konzept, welches das Grundgerüst für seine Vision darstellte.
Strategische Weichenstellungen: Was Bertil Hult anders machte
Während viele Unternehmen in diesem Bereich eher auf Franchise-Modelle setzten, nutzte Bertil Hult das Modell der sogenannten vertikalen Integration, da er zu jedem Zeitpunkt die uneingeschränkte Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette behalten wollte. Vom initialen Beratungsgespräch über den Flug bis hin zur Unterkunft und dem Unterricht im Ausland – Hult wollte die Fäden bis ins kleinste Detail selbst in der Hand behalten. Diese Herangehensweise verursachte zwar erhebliche Kosten, war allerdings auch ein Garant für eine erstklassige Qualitätssicherung. Ähnlich wie beispielsweise Judy Faulkner weigerte sich auch Hult zudem, sein Unternehmen an die Börse zu bringen, da ihm dies die Verpflichtungen gegenüber Aktionären ersparte, die üblicherweise eher auf kurzfristige Gewinne als auf nachhaltige Entwicklung abzielen. Damit konnte Bertil Hult beispielsweise den Aufbau erheblicher Kapazitäten im China der 90er Jahre forcieren, was von Aktionären so wohl niemals akzeptiert worden wäre.
Sein Erfolg beruht auf einer Reihe von Maßnahmen, die EF von der Konkurrenz abhoben:
- Radikale vertikale Integration – Kontrolle über alle Reise- und Bildungsaspekte ohne Abhängigkeit von externen Partnern.
- Frühzeitige Globalisierung – Expansion in Märkte wie Asien lange vor dem allgemeinen Trend zur Globalisierung.
- Fokus auf Direktvertrieb – Aufbau eines eigenen Netzwerks von Verkaufsbüros weltweit statt der Nutzung von Reisebüros.
- Inhouse-Technologieentwicklung – Frühe Investitionen in digitale Lernplattformen zur Ergänzung des Präsenzunterrichts.
- Marken-Storytelling – Die Positionierung von Bildung als lebensveränderndes Abenteuer statt als trockene Pflicht.
Charaktereigenschaften eines Visionärs: Pragmatismus und Diskretion
Unerschütterlicher Pragmatismus ist wohl das Attribut, das Bertil Hult am treffendsten beschreibt. Der Schwede ist bekannt dafür, komplexe Herausforderungen auf ihre simpelste Form zu reduzieren, was er selbst immer wieder als Notwendigkeit aufgrund seiner Legasthenie bezeichnete – schließlich war für ihn dadurch eine andere Form der Informationsverarbeitung erforderlich. Zudem war seine „hands on“-Mentalität regerecht legendär. So nahm er beispielsweise vor allem zu Beginn sogar persönlich Schülergruppen am Flughafen in Empfang. Bertil Hult steht allerdings auch für Diskretion und Bescheidenheit, weshalb er auf externe Selbstinszenierung, wie wir es von anderen Milliardären kennen, eher verzichtet. Diese Fokussierung auf das Wesentliche erlaubte ihm beispielsweise, Reserven aufzubauen, welche die Weiterbeschäftigung seiner Belegschaft auch in Krisen wie der Pandemie oder geopolitischen Spannungen sicherte. Bertil Hult hat es geschafft, ein Milliardenunternehmen wie ein Familienprojekt zu führen, bei dem Vertrauen und Schnelligkeit wichtiger sind als bürokratische Prozesse.
Bertil Hult und sein beachtliches Vermögen
Bertil Hult verfügt heute (Stand Februar 2026) über ein beachtliches Vermögen von ca. 7 Milliarden Dollar, welches nahezu ausschließlich auf dem Wachstum seines Unternehmens EF Education First basiert, welches sich bis zum heutigen Tag in Familienbesitz befindet. Ein nicht unwesentlicher Teil des Firmenwertes besteht aus einem stattlichen Immobilienbesitz mit Schulcampussen in Metropolen wie London, New York und Shanghai. Der andere Baustein des Wertes von EF Education First errechnet sich im Wesentlichen durch den operativen Wert des weltweiten Bildungsnetzwerkes. Sein Privatvermögen nutzt Bertil Hult heute verstärkt für philanthropische Zwecke und unterstützt in diesem Rahmen zum Beispiel Menschen mit Lernschwächen im Allgemeinen.
Das Phänomen Bertil Hult
Bertil Hult hat eindrucksvoll bewiesen, dass eine vermeintliche Schwäche wie beispielsweise in seinem Fall die Legasthenie kein Grund ist, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern sich daraus sogar Möglichkeiten ergeben können, eine außergewöhnliche Karriere zu starten. Hult hat die Art und Weise, wie Sprachen gelernt und gelehrt werden, mit EF Education First revolutioniert und damit den Markt im Bildungswesen regelrecht auf den Kopf gestellt. Seine Konzentration auf vertikale Kontrolle und der Erhalt der Unabhängigkeit machen ihn zu einem Bilderbuch-Beispiel für Unternehmer im Allgemeinen, die nicht nur an kurzfristige Gewinne denken, sondern nachhaltige Werte schaffen wollen.
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