Wirtschaft

Krisenmanagement in Echtzeit: Agilität als Überlebensfaktor für den Mittelstand

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Krisenmanagement

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In der heutigen Wirtschaft, in der globale Vernetzung eine Schlüsselrolle spielt, ist eine gewiss Stabilität von Märkten im Allgemeinen kaum noch mehr als eine Utopie. Viel zu viele Faktoren beeinflussen die Marktsituation in jeweils unterschiedlicher Hinsicht, als dass es noch realistisch wäre, an eine langfristige Konstanz zu glauben. Plötzliche politische Spannungen, unterbrochene Lieferketten, technologische Durchbrüche oder auch plötzliche Pandemien und dergleichen können etablierte Unternehmen schnell an den Rand der Insolvenz bringen. An diesem Punkt jedoch trennt sich die Spreu vom Weizen, denn während ein Großteil der Entscheider in derartigen Situationen in Panik verfällt und deshalb falsche Entscheidungen trifft, setzen wahre Führungskräfte auf ein durchdachtes Krisenmanagement, bei welchem es vordergründig darum geht, unter größtem wirtschaftlichem Druck kühlen Kopf zu bewahren und die richtigen Stellschrauben zu justieren.

Die erste Phase: Sicherung der Liquidität unter Druck

Einer der wichtigsten, wenn nicht gar DER wichtigste Parameter in Krisenzeiten ist eine saubere Cashflow-Rechnung. Schließlich ist eine kontinuierliche Liquidität der Treibstoff, der das Unternehmen am Laufen hält. Sobald sich dieser „Treibstoff“ dem Ende neigt, droht auch, der Motor zum Stillstand zu kommen. Deshalb ist ein Kassensturz in Echtzeit ein wichtiger Baustein für den Beginn eines adäquaten Krisenmanagements. Während dieser Zeit ist jedoch ein engmaschiges Monitoring unerlässlich. So reicht es längst nicht aus, sich die Zahlen des Vormonats anzuschauen; vielmehr geht es hier um ein tägliches, lückenloses Reporting aller relevanten Kennziffern.

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Krisenmanagement durch radikale Geschäftsmodell-Anpassung

Ist die Zahlungsfähigkeit einmal in trockenen Tüchern, hat sich als nächster Schritt ein detaillierter Blick auf das Fundament des Unternehmens als überaus hilfreich erwiesen. Möglicherweise ist das Unternehmen ja schließlich nur aufgrund veralteter Prozesse in gefährliches Fahrwasser gelangt. In diesem Fall ist es absolut notwendig, die Strukturen an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen – eine Strategie, die besonders erfolgreiche Unternehmer wie beispielsweise der russische Milliardär Alexey Mordashov geradezu perfektioniert haben. Ein dynamisches Krisenmanagement setzt den Willen und die Unerschrockenheit voraus, das komplette Unternehmen von vorn bis hinten umzukrempeln. Nicht selten bieten derartige, aus der Not heraus geborene Veränderung, massive Wachstumschancen, die es ohne diese „Krise“ gar nicht gegeben hätte – insbesondere im sich schnell verändernden digitalen Zeitalter ein gar nicht so seltenes Phänomen. Ein Schlüsselbegriff in diesem Kontext lautet „Minimum Viable Products (MVP)“, wobei es sich um Lösungen handelt, die nicht perfekt ausgefeilt sein müssen, sondern lediglich den unmittelbaren Bedarf abdecken, um kurzfristige Einnahmen zu generieren.

Operative Hebel in der Ausnahmesituation

Im weiteren Prozess eines gewissenhaften Krisenmanagements ist Präzision ein überaus wichtiger Hebel. Die Verantwortlichen müssen stets in der Lage sein, die gesamte Belegschaft entsprechend des Rettungsplans zu briefen, wozu eine reibungslose Kommunikation jedoch unerlässlich ist, da nur dann alle an einem Strang ziehen und das Schiff wieder auf Kurs bringen können, wenn auch die Mitarbeiter den Ernst der Lage verstehen und vor allem sehen, dass sich die Führungsebene bereits Gedanken über eine Lösung gemacht hat und diese nun umsetzen will. In dieser Phase der Restrukturierung stärken viele Unternehmen ihre strategische Resilienz, wobei der Fokus primär auf der unmittelbaren Optimierung der Kostenstrukturen liegt, um den Fortbestand des operativen Geschäfts abzusichern. Dabei geht es in erster Linie darum, die festen Kosten nach Möglichkeit in variable Ausgaben umzuwandeln, was beispielsweise durch Outsourcing, Kurzarbeitsregelungen oder optimierte Leasing-Modelle erreicht werden kann. Grundsätzlich gilt – das beste Mittel gegen plötzliche Marktveränderungen ist eine gewisse Flexibilität in der Kostenbasis.

Folgende Maßnahmen eignen sich zum Erhalt der operativen Kontrolle besonders gut:

  • Tägliche Task-Force-Meetings – kurze, prägnante Abstimmungen auf Vorstandsebene zur Bewertung der neuesten Marktdaten.
  • Bestandsoptimierung – Reduzierung von Lagerbeständen, um gebundenes Kapital freizusetzen.
  • Lieferantenmanagement – Verhandlung von Zahlungszielen und Suche nach alternativen Bezugsquellen zur Absicherung der Produktion.
  • Intensive Kundenkommunikation – direkter Kontakt zu den Top-Kunden, um Bedarfsverschiebungen frühzeitig zu erkennen.

Digitalisierung als Rettungsanker

Für ein nachhaltiges Krisenmanagement sind moderne IT-Systeme ein wesentlicher Baustein. So ermöglichen beispielsweise KI-gestützte Prognosetools sowie ERP-Systeme auf Cloud-Basis, die Auswirkungen unterschiedlicher Markverschiebungen innerhalb von Tagen oder sogar Stunden überaus authentisch zu simulieren. Wer diese Möglichkeit effektiv nutzt, kann bedeutend schneller auf Preisschwankungen und dergleichen reagieren oder auch Logistik-Ketten umleiten, bevor Wettbewerber das Problem überhaupt erstmal erkannt haben. Die Investition in eine robuste digitale Infrastruktur zahlt sich in Krisenzeiten doppelt aus. Sie ermöglicht nicht nur mobiles Arbeiten und damit die Aufrechterhaltung des Betriebs bei physischen Einschränkungen, sondern liefert darüber hinaus auch die Datenbasis für harte Entscheidungen.

Folgende Schritte haben sich als besonders zielführend erwiesen, um die Zukunftsfähigkeit nach der Krise zu sichern:

  • Post-Mortem-Analyse der Lieferketten: Identifikation von Schwachstellen, die zum Einbruch geführt haben.
  • Digitalisierung des Vertriebs: Aufbau von Online-Kanälen, die unabhängig von physischen Treffen funktionieren.
  • Diversifikation des Kundenstamms: Vermeidung von Abhängigkeiten von einzelnen Großkunden oder spezifischen Branchen.
  • Aufbau von Cash-Reserven: Anpassung der Dividendenpolitik, um für künftige „Schwarze Schwäne“ gewappnet zu sein.
  • Investition in Innovationsfähigkeit: Sicherstellung, dass R&D-Budgets auch in schwierigen Zeiten nicht komplett gestrichen werden.

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Die Krise als Katalysator

Unterm Strich sollten Entscheider ein Krisenmanagement immer auch als eine Prüfung der Unternehmenskultur ansehen. Unternehmen, die bereits im Vorfeld auf Vertrauen und Flexibilität gesetzt haben, gehen aus turbulenten Phasen in aller Regel gestärkt hervor, da sie den Druck als Treibstoff für ohnehin längst überfällige Veränderungen nutzen. Prinzipiell lässt sich konstatieren – Wer heute die Liquidität sichert, sein Modell mutig anpasst und transparent kommuniziert, legt den Grundstein für das Wachstum von morgen.

Bildnachweise:

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