Die rasante Entwicklung im KI-Sektor, deren Auswirkungen sowie Möglichkeiten haben längst auch die Chefetagen des deutschen Mittelstands erreicht und dort so einige Strategien gründlich über den Haufen geworfen, weil CEOs in vielerlei Hinsicht zum Umdenken gezwungen worden sind. Was einst als nette Spielerei begann, ist heute als wesentlicher Faktor zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich geworden. Die Implementierung von Algorithmen in Kernprozesse der Wertschöpfung hat im Allgemeinen jedoch auch eine steigende Komplexität der Verantwortlichkeiten nach sich gezogen, der moderne Unternehmen in jedem Fall Rechnung tragen müssen. Geschäftsführer und anderweitige Führungskräfte müssen heute permanent abwägen, wie ethisch vertretbar und noch dazu rechtssicher KI genutzt werden kann. Was die sogenannte KI-Governance damit zu tun hat und an welcher Stelle diese zum Tragen kommt, schauen wir uns in den nachfolgenden Abschnitten an.
Warum eine strukturierte KI-Governance heute unverzichtbar ist
Wer heute als Unternehmen mit Machine-Learning-Modellen und generativer KI experimentiert, OHNE dafür im Vorfeld einen adäquaten regulatorischen Rahmen geschaffen zu haben, kommt aus unternehmerischer Sicht unter Umständen in Teufels Küche. In diesem Zusammenhang werden nicht nur personenbezogene Daten und Betriebsinterna riskiert; vielmehr geht es um eine langfristige Schädigung der Marken-Integrität. An diesem Punkt kann eine gewissenhafte KI-Governance DIE tragende Säule zur notwendigen Risikoabsicherung sein, wenn damit ein Handlungs-Korridor erzeugt wird, der Innovationen zulässt ohne die Compliance zu gefährden. Schließlich ist die Souveränität über sensible Daten ein elementar wichtiger Faktor bzgl. des Kundenvertrauens. Die Gefahr, dass diese versehentlich in öffentliche Modelle eingespeist und damit für Dritte zugänglich gemacht werden, schwebt permanent wie ein Damokles-Schwert über dem Unternehmens-Alltag. Eine durchdachte KI-Governance bietet dabei technische Sicherheit, indem beispielsweise alle im Betrieb genutzten Tools einer genauen Prüfung unterzogen werden.
Operative Umsetzung und Verantwortlichkeiten
Diese neue Herausforderung zu meistern, ist dieser Tage eine der Kernaufgaben einer verantwortungsvollen Führungskraft und beginnt idealerweise mit einer Analyse der tatsächlichen Anwendungsfälle. Hier geht es zunächst einmal darum, auszumachen, wo KI dem Unternehmen den größten Nutzen bringt. Nach Abschluss dieses Prozesses folgt die Zuweisung bestimmter Verantwortlichkeiten, in deren Rahmen ein speziell abberufener KI-Beauftragter oder ein AI-Ethics-Board als zentrale Instanz agieren kann, um eine adäquate KI-Governance sicherzustellen.
Zur Umsetzung eines solchen Konzeptes sollten Führungskräfte folgende Schritte einleiten:
- Verbindliche KI-Leitlinie erstellen – definieren Sie die erlaubten Tools und welche Daten niemals in externe Systeme fließen dürfen.
- Schulung der Belegschaft – Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, wie sie KI als Werkzeug sicher nutzen können.
- Etablierung eines Risikomanagement-Prozesses – Bewerten Sie KI-Anwendungen nach ihrem Gefährdungspotenzial für das Unternehmen und Dritte.
- Überprüfung der IT-Infrastruktur – Stellen Sie die Einhaltung aller notwendigen Sicherheitsstandards Ihrer Tools sicher, um KI-Modelle lokal oder in geschützten Cloud-Umgebungen betreiben zu können.
- Kontinuierliches Monitoring – Überprüfen Sie im Rahmen einer sorgfältigen Qualitätssicherung regelmäßige die Ergebnisse auf Bias oder Fehler.
Strategische Integration in die Unternehmensführung
Ein weiterer Aspekt, den man als Führungskraft dieser Tage keinesfalls außer Acht lassen sollte, ist die psychologische Komponente bei den eigenen Mitarbeitern. Künstliche Intelligenz löst noch immer bei vielen Menschen gewisse Ängste bzw. Unsicherheiten aus, was eine transparente Kommunikation bzgl. der Ziele einer KI-Nutzung erfordert. In diesem Kontext ist es von großer Bedeutung, dass Verantwortliche den Mitarbeitern diese Ängste nehmen und klarmachen müssen, dass die Nutzung einer KI nicht darauf abzielt, sie im Unternehmen perspektivisch zu ersetzen, sondern (ganz im Gegenteil), sie zu unterstützen und zu entlasten, indem die KI dazu genutzt wird, sie von monotonen, repetitiven Aufgaben zu befreien, damit sich die Angestellten kreativen, wertschöpfenden Tätigkeiten widmen können. Wer das klar und deutlich kommuniziert, steigert die Akzeptanz, weil Unsicherheiten reduziert werden. Dieses Vorgehen sollte sich durch alle Unternehmensbereiche ziehen, von der Produktentwicklung bis hin zur strategischen Preisgestaltung, um keine Fragen offenzulassen und die Mitarbeiterbindung zu stärken.
Zukunftsfähigkeit durch strukturierte Innovation
Dass die Möglichkeit, KI sicher skalieren zu können, die Wettbewerbsfähigkeit und den Marktwert von Unternehmen künftig zu einem erheblichen Teil mitbestimmen wird, ist schon jetzt abzusehen. Schon heute achten Investoren und Partner verstärkt auf die Resilienz in diesem Bereich – schließlich wirkt ein Unternehmen ohne klare KI-Governance im Speziellen und ohne klare Richtlinien im Allgemeinen insbesondere in der digitalen Welt sehr viel angreifbarer, was eine zwingende Investition in robuste Prozesse zur Steuerung dieser Technologien erfordert.
Folgende Maßnahmen haben sich zum Erreichen dieses Zieles als besonders wichtig erwiesen:
Um diese Zukunftsfähigkeit sicherzustellen, sollten KMU auf folgende Maßnahmen setzen:
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern – Bringen Sie IT-Experten, Juristen und Fachabteilungen an einen Tisch, um ganzheitliche Lösungen zu entwickeln.
- KI-Auditierung implementieren – Führen Sie regelmäßig externe oder interne Audits durch, um die Wirksamkeit Ihrer Kontrollmechanismen zu prüfen.
- Transparente Dokumentation der Datenherkunft – Bleiben Sie stets darüber im Bilde, mit welchen Daten Ihre Modelle trainiert wurden, um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden.
Die Nutzung einer adäquaten KI-Governance signalisiert Mitarbeitern, Partnern, Investoren UND Kunden, dass sich das Unternehmen sowohl der Möglichkeiten einer KI-Nutzung bewusst ist als auch die Risiken versteht, die damit einhergehen. Die Regeln für morgen bereits heute festzulegen, wird in erheblichem Maße dazu beitragen, vom technologischen Fortschritt profitieren zu können, während Mitbewerber noch mit den ethischen und juristischen Folgen einer unzureichend gesteuerten Nutzung zu kämpfen haben.
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