Unternehmer

Peter Thiel: Der Konträr-Investor und die Suche nach dem Monopol

Uhr
Peter Thiel

Teilen per:

Wenn man über Risikokapital spricht, kommt oftmals unweigerlich der Name Peter Thiel ins Spiel, der im Business-Kontext häufig für sein „konträres Denken“ bewundert wird, da er im Gegensatz zu vielen anderen Investoren nicht auf Trends setzt, sondern aktiven Wettbewerb radikal ablehnt. Insbesondere PayPal und Facebook haben das Silicon Valley sowie die dazugehörige Mentalität geprägt und beweisen, dass Thiels unkonventionelle Ausrichtung, in Einzigartigkeit statt Konkurrenzkampf zu investieren, immer wieder funktionieren kann.

Die Flucht aus dem Wettbewerb: Von Null auf Eins

Peter Thiel hat seinen Erfolg vor allem einer Vorgehensweise zu verdanken, die oft auch als „vertikaler Fortschritt“ bezeichnet wird. Dabei geht es im Wesentlichen darum, keine bereits bestehenden Konstrukte zu kopieren und zu verbessern, sondern völlig neue Produktkategorien zu schaffen; ähnlich wie es beispielsweise auch Red Bull-Impresario Dietrich Mateschitz gehandhabt hat. Thiel argumentiert in diesem Kontext damit, dass die Beanspruchung wesentlicher Ressourcen vieler Unternehmen bzgl. des täglichen Überlebenskampfes im Wettbewerb mit ähnlich gearteten Konkurrenten langfristige Innovation blockiert, wohingegen ein „kreatives Monopol“ typischerweise jahrelang keine ernsthaften Mitbewerber fürchten muss und daher der Fokus auf Weiterentwicklung gelegt werden kann.

Peter Thiel

Eine der tragenden Säulen dieser Bestrebungen ist die sogenannte 10x-Regel. Laut Thiel genügt es nicht, ein Produkt zu haben, welches eventuelle Mitbewerber lediglich marginal aussticht; stattdessen muss es einen zehnfachen Vorteil gegenüber der nächsten verfügbaren Alternative bieten. Die Idee dahinter besteht darin, dass nur bei einem solchen Vorsprung A)das Produkt in den Augen der Konsumenten als alternativlos gilt und B) eventuelle Konkurrenten gar nicht erst auf die Idee kommen, eine Nachahmung anzustreben. Hauptaugenmerk liegt dabei auf proprietärer Technologie, die durch Patente oder komplexe Geschäftsgeheimnisse geschützt ist, um Commodity-Geschäfte zu verhindern, die sich letztlich im Wesentlichen nur durch einen niedrigeren Preis abheben. Schließlich möchte kein Unternehmen sein Produkt durch einen preislichen Unterbietungswettbewerb entwerten.

Nischen-Dominanz als Expansions-Turbo

Thiel empfiehlt im Rahmen einer adäquaten Marktbesetzung eine Strategie, die der intuitiven Gier nach möglichst schnellem Wachstum widerspricht. Statt umgehend eine möglichst große Käufergruppe für sich gewinnen zu wollen, sollten Startups zunächst einmal darauf abzielen, eine kleine, spezifische Nische so zu dominieren, dass das Produkt innerhalb dieser Nische als alternativlos gilt. Mit diesem Mindset startet einst auch PayPal, das sich zuerst darauf konzentrierte, die Bedürfnisse von Ebay-Power-Sellern abzudecken, um eine gewisse „kritische Masse“ zu erreichen und Netzwerkeffekte zu erzeugen. Erst als dieses quasi-Monopol erreicht war, wurde der Wirkungsbereich auf angrenzende Märkte erweitert. Ein weiteres Parade-Beispiel für diese Vorgehensweise ist beispielsweise auch Amazon, dass zunächst die Bücherbranche für sich beansprucht hat und erst, als in diesem Bereiche eine totale Dominanz erreicht werden konnte, seine Fühler Richtung CDs ausgestreckt hatte, bis auch in diesem Segment der Markt kontrolliert wurde und man heute letztlich nahezu alles bei Amazon kaufen kann.

Fundament für Thiels Erfolge ist darüber hinaus ein strenges Framework aus strategischen Parametern, die seiner Ansicht zufolge für den Aufbau eines beständigen Unternehmens als tragende Säulen unverzichtbar sind.

  • Die Timing-Frage – Verfügen Sie über eine fundierte Analyse, warum genau jetzt der richtige Zeitpunkt für dieses spezifische Geschäft gekommen ist?
  • Die Monopol-Frage – Haben Sie eine Strategie, mit einem signifikanten Anteil an einem sehr kleinen, aber loyalen Nischenmarkt zu starten?
  • Die Geheimnis-Frage – Verfügen Sie im Markt über eine Einzigartigkeit, die außer Ihnen bisher niemand sieht oder versteht?
  • Die Beständigkeits-Frage – Wird Ihre Marktposition auch in 10 oder 20 Jahren noch durch technologische Barrieren gegen neue Angreifer verteidigt werden können?
  • Die Skalierungs-Frage – Ist Ihr Geschäftsmodell so konzipiert, dass die Grenzkosten bei steigender Nutzerzahl gegen Null tendieren, während der Wert für den Einzelnen wächst?

Die Psychologie des Gründerkults

Thiels setzt außerdem nicht auf austauschbare Manager, sondern sieht in visionären Gründern, die ihr Unternehmen mit einer geradezu missionarischen und unerschütterlichen Überzeugung führen, ein wesentlich größeres Asset. Deshalb tendiert er auch dazu, eher in gründergeführte Teams zu investieren, die es gewohnt sind, ihre Visionen gegen alle Arten von „Miesmachern“ zu verteidigen und sich vom „das klappt sowieso nicht“-Mantra der Masse nicht verunsichern zu lassen. Langfristige Pläne über kurzfristige Agilität lautet hier die Devise. Diese Mentalität zieht sich wie ein roter Faden durch Thiels Investment-Strategien. Er erwartet von Gründern, eine Information oder eine Marktsicht für sich beanspruchen zu können, die Anderen verborgen bleibt, da damit ein entscheidender Innovations-Vorsprung fast schon garantiert werden kann.

Antizyklisches Handeln und politische Resilienz

Thiel hält nichts von Trends und Kopien bereits erfolgreicher Konzepte. Er sucht stattdessen gezielt nach Branchen, die als unpopulär oder sogar als ethisch schwierig gelten (wie beispielsweise Palantir). Dieser Fokus sichert Thiel finanziell niedrige Einstiegshürden sowie eine überschaubare Konkurrenz-Intensität während der schwierigen Wachstumsphase.

Für Thiel sind folgende Faktoren bei der Potential-Bewertung von elementarer Bedeutung:

  • Technologie-Durchbruch: Bietet das Produkt eine Lösung, die einen echten technologischen Sprung darstellt statt bloß kleiner, kosmetischer Nuancen?
  • Team-Kompetenz: Verfügen Sie über ein Team, dessen Fähigkeiten und Vision absolut perfekt für diese eine, spezielle Mission geeignet sind?
  • Vertriebs-Effizienz: Haben Sie einen klaren, kosteneffizienten Weg gefunden, Ihr Produkt nicht nur zu bauen, sondern es auch profitabel an den Endkunden zu bringen?
  • Kulturelle Identität: Ist Ihr Unternehmen als geschlossene Einheit konzipiert, die durch gemeinsame Werte geeint ist und so gegen externe Marktstörungen resistent bleibt?

Peter Thiel

Für mittelständische Unternehmer ist die Erkenntnis aus Thiels Strategien glasklar – wirtschaftliche Resilienz entsteht nicht im täglichen Konkurrenzkampf, sondern im „ruhigen“ Fahrwasser nicht oder kaum besetzter Nischen. Das Credo lautet, nicht alle Anstrengungen dafür aufzuwenden, sich gegenüber der Konkurrenz als einer von vielen Spielern auf einem Spielfeld einen minimalen Vorteil zu ergattern, sondern einfach das Spielfeld zu wechseln und dieses somit allein zu besetzen.

Bildnachweise:

Beitragsbild (beschnitten): „Peter Thiel“ von Gage Skidmore, lizenziert unter CC BY-SA 3.0

stock.adobe.com – dragonstock

stock.adobe.com – amnaj

Melden Sie sich für den Newsletter an

Erhalten Sie jede Woche geballtes Wirtschaftswissen und News kostenfrei per E-Mail.

Weitere Artikel

Red Bull

Dietrich Mateschitz und Red Bull – die Geburt eines globalen Lifestyle-Imperiums

Unternehmer
Fertitta

Zwischen Gambling und Käfig-Kämpfen: Die ökonomischen Strategien der Fertitta-Brüder

Unternehmer

Vince McMahon – der Architekt des Spektakels

Unternehmer

Beliebteste Artikel

Steigende Bestattungskosten – Eine zunehmende finanzielle Belastung

News, Wirtschaft
Russland, Moskau: Von der Moskwa aus sind hinter der Brücke der Kreml und das Hochhaus- und Geschäftsviertel Moskwa City (Hintergrund) zu sehen.

Russland untersagt Verkauf von Raiffeisen-Tochter

Welt, News, Unternehmen, Wirtschaft
Als Nestlé-Europachef informierte Laurent Freixe (r) 2012 über das geplante Nestlé-Werk für Kaffekapseln in Schwerin, zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD, l)

Nestlé-CEO Mark Schneider tritt zurück

Wirtschaft, News, Unternehmen