Wirtschaft, Deutschland

Strategische Resilienz: Unternehmertum als Antwort auf den permanenten Wandel

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In der Geschichte des Unternehmertums galt Beständigkeit lange Zeit als Synonym für wirtschaftlichen Erfolg. Wer eine bestimmte Nische besetzte, die Unternehmensfinanzen im Griff hatte und noch dazu kontinuierlich Qualität bieten konnte, hatte damit die besten Voraussetzungen für stetiges Wachstum. Die Prioritäten bezüglich des Anforderungsprofils an moderne Unternehmer haben sich jedoch durchaus in erheblichem Maße verschoben. Unternehmertum ist dieser Tage weit mehr als die Verwaltung des bisherigen Erfolges. Insbesondere in der deutschen Wirtschaft, die im Wesentlichen vom Mittelstand getragen wird, ist die Fähigkeit zur permanenten strategischen Neuausrichtung eine tragende Säule für langfristigen Erfolg. Flexibilität und Resilienz sind heute keine organisatorische Herausforderung mehr, sondern eine Notwendigkeit für das wirtschaftliche Überleben.

Die neue DNA des Unternehmers: Agilität trifft Substanz

Während in früheren Zeiten Planungshorizonte von fünf bis zehn Jahren als sichere Grundlagen galten, haben sich diese Zeitspannen längst wesentlich verkürzt. Moderne Unternehmer kommen nicht umhin, ihre Ziele an vergleichsweise kurze Zyklen wie Quartalen auszurichten. Wer nun denkt, das würde langfristiges Denken ausschließen, irrt dennoch gewaltig. Vielmehr ist es eine „Dual-Core“-Strategie, die heutige Unternehmen zum Erfolg führt – konsequente Sicherung des Kerngeschäfts bei gleichzeitiger Anpassung an kurzfristige Marktveränderungen. Ein moderner CEO muss kontinuierlich strategische Impulse setzen sowie permanent die Zeichen der Zeit erkennen und seine Strategien entsprechend anpassen, ohne den Blick für bewährte Prozesse zu verlieren.

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Strategische Resilienz als Wettbewerbsvorteil

Das Thema Resilienz wird in den Führungsetagen deutscher Unternehmen häufig missverstanden; schließlich geht es dabei NICHT darum, eventuelle Krisen auszusitzen. Resilienz im unternehmerischen Kontext bedeutet auch die Fähigkeit zur sogenannten „Antifragilität“. Dabei geht es im Wesentlichen darum, die korrekten Schlüsse zu ziehen und die richtigen Stellschrauben zu justieren. Dazu ist allerdings ein generelles Umdenken in der Risikobewertung unerlässlich. In diesem Kontext ist es wichtig, zwischen „harten“ und „weichen“ Faktoren zu unterscheiden:

  • Harte Faktoren – solide Eigenkapitalquote, diversifizierte Lieferketten, Reduzierung von Abhängigkeiten (Märkte und Zulieferer)
  • Weiche Faktoren – produktiver Umgang mit Fehlern -> psychologische Sicherheit für Mitarbeiter, Lernbereitschaft, Betriebsklima, Transparenz, Feedback-Schleifen

Der Kampf um Talente: Employer Branding als Überlebensfaktor

Ein mittlerweile existenzbedrohender Faktor für moderne Unternehmen ist und bleibt der Fachkräftemangel. Auch hier trennt sich jedoch bei Führungskräften die Spreu vom Weizen. Während nämlich viele Unternehmer lediglich ein Klagelied nach dem anderen anstimmen, begreifen gute CEOs das sogenannte „Employer Branding“ als ganzheitliche Markenstrategie, denn gut ausgebildete Mitarbeiter suchen dieser Tage längst mehr als nur eine temporäre Beschäftigung; vielmehr geht es um eine Aufgabe mit Sinnhaftigkeit (purpose) und ein Arbeitsumfeld, das Flexibilität ermöglicht und Kreativität belohnt. Wer als Unternehmer hybride Arbeitsmodelle zur Verfügung stellt und kontinuierliche Weiterbildungsprogramme nicht als „Benefit“ versteht, sondern als Grundvoraussetzung, wird sich perspektivisch die besten Mitarbeiter UND deren langfristige Loyalität sichern.

Verantwortung und Nachhaltigkeit: Der neue Standard der Wertschöpfung

Auch im Kontext des Nachhaltigkeitsgedankens hat längst ein Paradigmen-Wechsel stattgefunden, der dazu führt, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ nicht mehr nur als regulatorische und lästige Pflicht, sondern als Chance wahrgenommen wird, sich wertvolle Marktanteile zu sichern. Schließlich erwarten Kunden, Investoren und auch Geschäftspartner inzwischen eine lückenlose Transparenz im Bezug auf ökologische Bestrebungen seitens der Unternehmensführung. Nachhaltigkeit ist kein moralischer Luxus, sondern ein integraler Bestandteil einer langfristigen Profitabilität.

Hybride Führung – vom Kontrolleur zum Coach

Die Rolle des Geschäftsführers hat sich im Laufe der Zeit in vielerlei Hinsicht geändert – der einsame Entscheider an der Spitze ist ein Relikt der Vergangenheit. Moderne Führungsstrategien setzen in erster Linie auf Vertrauen, Delegation und Empowerment interner Teams. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass viele Mitarbeiter heute remote arbeiten und Teams daher nicht selten über die ganze Welt verteilt sind, ist eine adäquate Kommunikation umso bedeutender. Das Ziel und die Vision des Projektes darf trotz der räumlichen Trennung keinesfalls aus den Augen verloren werden, weshalb ein gewissenhaftes Management von Remote-Teams ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz sowie die Fähigkeit, Resultate statt Präsenzzeiten zu bewerten, erfordert. Eine solche Transformation setzt allerdings die Bereitschaft voraus, agile Netzwerkstrukturen anstelle von starren Hierarchien zu implementieren, da nur auf diese Weise eine gewisse Eigenverantwortung gefördert werden kann. Das Erzeugen einer inspirierenden psychologischen Sicherheit sollte hierbei in den Fokus rücken, damit Innovationen auch über geografische Entfernungen hinweg ermöglicht werden können. Unterm Strich ist hier die zwischenmenschliche Verbindung für den langfristigen Unternehmenserfolg eine tragende Säule.

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Fazit: Mut zur Gestaltung in unsicheren Zeiten

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass Unternehmertum schon immer den Mut beinhaltete, Risiken einzugehen und neue Wege zu beschreiten. Allerdings hat sich die Häufigkeit und Intensität, in dem Veränderungen ablaufen und adressiert werden müssen, erheblich verändert. Die Herausforderungen für moderne Führungskräfte reichen von der Energiewende über veränderte Demografie-Entwicklungen bis hin zur technologischen Transformation, bieten gleichzeitig aber auch ungeahnte Möglichkeiten für alle, die bereit sind, verstaubte Strukturen aufzubrechen, veraltete Denkmuster abzustreifen und Risiken einzugehen. Die Wirtschaft braucht Unternehmer, die den Fokus nicht nur auf den Status Quo legen, sondern mutig und zuversichtlich in die Zukunft gehen. Resilienz im unternehmerischen Kontext bedeutet im heutigen wirtschaftlichen Umfeld, Unsicherheiten nicht zu fürchten, sondern als Treibstoff für Innovation zu verstehen. Deshalb werden Unternehmer, die ihr Geschäftsmodell kontinuierlich hinterfragen und permanent an Veränderungen ausrichten, auch künftig die Märkte beherrschen und zögerliche Firmeninhaber hinter sich lassen.

Bildnachweise:

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