Welterbesteig Wachau – Unterwegs auf alten Winzerpfaden
by Brigitte Bonder 21. August 2026
Der Welterbesteig Wachau verbindet auf 14 Etappen die schönsten Landschaften und historischen Orte der UNESCO-Welterberegion. Zwischen Weinbergen, Trockensteinmauern und der Donau erleben Wanderer eine Kulturlandschaft, die seit Jahrhunderten von Mensch und Natur geprägt wird.
Der steile Anstieg durch die Weinberge hat es in sich. Schritt für Schritt lassen zwei Wanderer den kleinen Weinort Rossatz hinter sich, durchqueren einen Marillengarten und erklimmen die Hügel des Dunkelsteinerwaldes. Schon bald haben sie das „Smaragdplatzl“ erreicht, legen auf den geschwungenen Holzliegen die Füße hoch und lassen den Blick schweifen. Tief unten schlängelt sich die Donau durch das Tal, auf der gegenüberliegenden Seite leuchtet der berühmte blaue Turm von Dürnstein in der Morgensonne.

Seinen Namen verdankt das sonnige Plateau einer schillernden, überdimensional großen Smaragdeidechse aus grünem und blauem Murano-Glas. „Das Kunstwerk erinnert an eines der bekanntesten Tiere der Wachau, das zwischen den warmen Trockensteinmauern der Weinberge ideale Lebensbedingungen findet“, erklärt Welterbemanagerin Ingeborg Hödl. Neben der Skulptur weist ein großes „W“ auf einen Welterbe-Spot hin, der von den Besonderheiten der Region erzählt. „Über einen QR-Code erhält man weitere Informationen und kann die Schätze der Wachau unmittelbar vor Ort erleben.“ Während die Urlauber den Blick über die Donau schweifen lassen, erfahren sie also, warum die Smaragdeidechse hier ebenso zu Hause ist wie die nach ihr benannten Smaragdweine der Wachau.

Welterbe auf Schritt und Tritt
Der Welterbesteig führt auf rund 180 Kilometern und 14 Etappen durch sämtliche Welterbegemeinden zwischen Krems und Melk. Mal verläuft der Weg durch sonnige Weinterrassen und Marillengärten, dann wieder über schattige Waldpfade oder artenreiche Trockenrasen. Dazwischen liegen historische Orte wie Krems, Weißenkirchen, Spitz oder Dürnstein, in denen Gasthäuser, Heurige und kleine Cafés zur Rast einladen. „Die meisten Etappen eignen sich hervorragend für eine Tageswanderung“, erzählt Silvia Ebner vom Tourismusverband Donau Niederösterreich. „Dank Bus, Wachau-Bahn und Donauschifffahrt lassen sich die einzelnen Orte ganz bequem miteinander verbinden.“

Wer auf dem Welterbesteig unterwegs ist, durchquert eine Landschaft, die seit über 25 Jahren zum UNESCO-Welterbe gehört. Ihren besonderen Wert verdankt sie dem Zusammenspiel aus Natur und jahrhundertelanger Bewirtschaftung. Terrassierte Weinberge ziehen sich an den Hängen entlang, Trockensteinmauern speichern die Wärme der Sonne und schaffen Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. „Die Wachau ist eine fortbestehende Kulturlandschaft und kein Freilichtmuseum“, betont Ingeborg Hödl. „Eine wichtige Arbeit ist auch die Instandhaltung der Trockensteinmauern. Hier geht ein großer Dank an die Winzer, die diese Arbeit übernehmen.“

Zwischen Weinbergen und Weitblick
Wie abwechslungsreich der Welterbesteig ist, erleben die zwei Wanderer einige Tage später auf der vierten Etappe des Fernwanderwegs. Von der Kirche in Spitz mit ihren bunten Dachziegeln geht es auf den 314 Meter hohen Tausendeimerberg. „In guten Jahren sollen hier tausend Eimer Wein geerntet worden sein“, heißt es in der Chronik, nach heutigen Maßen wären das rund 56.000 Liter. Und noch immer wachsen auf den steilen Terrassen Wachauer Weine, die Ausflügler direkt vor Ort in einem kleinen Steinhäuschen verkosten können. Denn wo früher die Hiata, also die Weinhüter, die Rebhänge vor Dieben und Wildtieren schützten, sorgt heute ein Weinkühlschrank für Genuss in Form von Grünem Veltliner, Muskateller oder Traubensaft.

Von hier führt die Etappe in den Spitzer Graben, einem Seitental der Donau. Auf sonnigen Trockenrasen wie dem Setzberg blühen seltene Kuhschellen und Orchideen, im Sommer tanzt das feine Steinfedergras im Wind.
Regionaler Genuss
Wenige Kilometer weiter laden urige Wanderhütten zu einer gemütlichen Einkehr. Bei einem Glas Grünen Veltliner und einem herzhaft belegten Brot kommen Wanderer ins Gespräch. Schnell geht es um Lieblingsetappen, schöne Aussichtspunkte und die Frage, welche Heurigen entlang des Weges die besten Marillenknödel servieren. In munterem Auf und Ab spazieren die zwei Wanderer durch dichte Eichenwälder, kurz darauf ist die romanische Burg Oberranna zu sehen, eines der bedeutendsten mittelalterlichen Bauwerke der Region.

Am Etappenziel im Gasthof „Weißes Rössl“ empfängt Roman Siebenhandl die Urlauber. Er führt das Haus in fünfter Generation und setzt als Partnerbetrieb des Naturpark Jauerling auf Regionalität. „Die Lachsforelle stammt aus dem nahen Waldviertel, der Wels direkt aus dem Ort“, kommentiert der Küchenchef die Bestellungen seiner Gäste. Acht Marillenbäume stehen im eigenen Garten, hier wächst auch kostbarer Safran.
Gestärkt machen sich die Wanderer auf den Rückweg. Die Sonne taucht die Trockensteinmauern in warmes Licht, in den Reben zirpen Grillen und zwischen den Steinen huscht plötzlich eine leuchtend grüne Smaragdeidechse davon.

Infokasten:
Weitere Informationen zur Wachau:
Donau Niederösterreich Tourismus
Schlossgasse 3
3620 Spitz/Donau
Telefon: +43 2713 300 600
www.donau.com
Übernachten:
Im Winzerort Weißenkirchen bietet der Kirchenwirt 40 Zimmer in 4 historischen Gebäuden, einen Wellness-Bereich und ein Restaurant mit großer Sonnenterrasse, in dem Wachauer Spezialitäten serviert werden.
Kirchenwirt Hotel Restaurant Wachau
Kremser Straße 17, A-3610 Weißenkirchen in der Wachau
Telefon: +43 2715 23 32
www.kirchenwirt-wachau.at
Genießen:
Haubenverdächtige Küche aus regionalen Produkten kreiert Küchenchef Roman Siebenhandl in seinem Gasthof Weißes Rössl.
Weißes Rössl
Markt 17, A-3622 Mühldorf
Telefon: +43 2713 8257
www.roessl-wachau.at