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Alexey Mordashov: Der Architekt der vertikalen Integration

Alexey Mordashov nimmt im elitären Kreis der Oligarchen aus unterschiedlichen Gründen eine Sonderrolle ein, denn im Gegensatz zu vielen anderen dieser Zunft, die ihren Reichtum in erster Linie politischer Allianzen zu verdanken haben, verfolgte Mordashov einen alternativen Ansatz. Effizienzmaximierung ist in seiner Vita einer der Schlüssel zum Erfolg, an dem nicht zuletzt auch seine frühen Erfahrungen im Stahlwerk von Tscherepowez „schuld“ waren. Mordashovs Aufstieg ist im Allgemeinen nicht primär mit der Privatisierungsära in der ehemaligen Sowjetunion verknüpft, sondern eher mit kühlen, nüchternen Analysen der Wertschöpfungskette, die kaum jemand so effektiv genutzt hat wie er.

Die Transformation eines Sowjet-Giganten

Als der spätere Milliardär im Jahr 1996 das Stahl-Unternehmen Severstal übernahm, erkannte er sofort einen Hemmschuh für größeren Erfolg – ein obsoletes Konglomerat war hier der Grund für die mangelnde Konkurrenzfähigkeit auf globalen Märkten, was ihn zu einem Schritt veranlasste, der sich als Erfolgsfaktor wie ein roter Faden durch seine Karriere ziehen sollte; kompromisslose Effizienzmaximierung. Alexey Mordashov modernisierte dafür die Produktionsanlagen und straffte darüber hinaus die Managementstrukturen, um die Produktivität zu maximieren. Während andere Oligarchen bestrebt waren, Gewinne auf ausländische Konten zu transferieren, setzte Alexey Mordashov stattdessen auf stetige Reinvestition in die technologischen Komponenten des Werks. Diese operative Exzellenz und die Obsession mit technischen Details wurden regelrecht zu seinem USP und machten ihn schließlich zeitweise zum wohlhabendsten Mann Russlands.

Alexey Mordashov

Alexey Mordashovs strategische Vertikalisierung als Erfolgsmodell

Ein weiterer wesentlicher Faktor in Mordashovs Erfolgsformel war die Umsetzung der sogenannten „vertikalen Integration“. Um sich nicht von den schwankenden Preisen für Kohl und Eisenerz abhängig zu machen, erwarb er eigene Minen und Energiequellen, um die komplette Wertschöpfungskette vom Abbau bis hin zum fertigen Produkt steuern und kontrollieren zu können. Eine wichtige Maßnahme, da sie das Unternehmen auch und vor allem in Krisenzeiten von den volatilen Weltmarktpreisen unabhängig machte.

Im Allgemeinen fallen bei Alexey Mordashovs immer wieder bestimmte Charaktereigenschaften auf, die ihm selbst innerhalb der hochkompetitiven russischen Wirtschaftselite erhebliche Vorteile verschaffen:

  • Akribische Datenanalyse – Mordashov trifft Entscheidungen fast ausschließlich auf Basis von harten Wirtschaftsdaten und Prognosemodellen.
  • Investition in Humankapital – Er schickte seine Manager zur Ausbildung an westliche Business Schools, um modernes Managementwissen zu importieren.
  • Technologische Pionierarbeit – Severstal war eines der ersten russischen Unternehmen, das digitale Überwachungssysteme in der Produktion einführte.
  • Radikale Kostentransparenz – Jede Abteilung im Konzern wird als Profit-Center geführt, was die interne Effizienzmaximierung massiv vorantreibt.
  • Langfristige Planungshorizonte – Statt auf kurzfristige Arbitragegewinne setzte er stets auf den Ausbau der industriellen Substanz über Jahrzehnte.

Diversifikation und globale Ambitionen

Nachdem Mordashov das Unternehmen Severstal völlig neu aufgestellt und in wirtschaftlich ungeahnte Höhen gehievt hatte, war es an der Zeit, seine Effizienzmaximierungs-Strategien auch in anderen Geschäftsfeldern anzuwenden, weshalb er sein Portfolio in erheblichem Maße diversifizierte und seine Fühler auch zu Branchen ausstreckte, die mit Stahl rein gar nichts zu tun hatten, wie beispielsweise den Tourismus. Das Muster war dabei stets sehr ähnlich – Alexey Mordashov suchte gezielt nach unterbewerteten Assets mit Potential zur Verbesserung und optimierte diese mit seinen bekannten Methoden zur Effizienzmaximierung. So war es sein Bestreben, sein System auch auf den Reise-Giganten TUI zu übertragen. Mordashov war der festen Überzeugung, auch einen Konzern in diesem Bereich mit optimierter Logistik und digitaler Steuerung in ähnlicher Weise entsprechend aufwerten zu können, was jedoch zunächst aufgrund der geopolitischen Lage ab 2022 in erheblichem Maße ausgebremst wurde.

Alexey Mordashov – Vermögen

Alexey Mordashov gilt laut Forbes-Angaben auch im Jahr 2026 mit ca. 31,5 Milliarden € als reichster Mensch Russlands. Ein Status, den er sich durch jahrzehntelange, konsequente Reinvestitionen in der Schwerindustrie erarbeitet hat. Mordashovs Vermögen bemisst sich zudem (anders als bei vielen Anderen Milliardären wie beispielsweise Peter Thiel) nicht nach teilweise höchst volatilen Aktien-Paketen, sondern basiert viel mehr auf industrieller Substanz. Als Basis dieser Zahlen gilt seine Mehrheitsbeteiligung am Stahl-Riesen Severstal, den er zu einem der profitabelsten Unternehmen der Welt gemacht hat. Den Rest bildet die Summe aus seinen Investitionen in anderen Industrie-Zweigen, was ihn von verschiedenen Konjunkturzyklen profitieren lässt.

Alexey Mordashov

Seine Vermögenswerte lassen sich im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen:

  • Stahl und Bergbau – Neben Severstal hält Mordashov über die KN-Holding fast 100 % an NordGold, einem der größten Goldförderer Russlands.
  • Einzelhandel und E-Commerce – Über die Severgroup kontrolliert er die Hypermarktkette Lenta sowie den Online-Supermarkt Utkonos.
  • Tourismus und Freizeit – Trotz Sanktionen bleibt er (teils über Treuhandstrukturen für seine Familie) Großaktionär beim Reisekonzern TUI.
  • Energie und Maschinenbau – Mordashov besitzt Anteile am Unternehmen „Power Machines“, einem führenden Hersteller von Kraftwerksausrüstung und Turbinen.
  • Telekommunikation und Medien – Er hält außerdem strategische Minderheitsbeteiligungen an Rostelecom und der National Media Group.

Alexey Mordashov hat bewiesen, dass allein eine bessere Organisation die industrielle Stärke eines Unternehmens in erheblichem Maße steigern kann. Mit dem Erfolg seiner Effizienzmaximierung bei Severstal hat er die Blaupause erstellt, die er letztlich auch bei anderen Unternehmen erfolgreich anwenden konnte. Seine Strategien sind ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass es sich lohnt, die verstaubten Strukturen bei einem ehemaligen Staatsbetrieb aufzubrechen und diesen durch die Implementierung moderner Managementmethoden in einen global Player zu transformieren.

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