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Peter Thiel und Palantir – Beteiligung der Schweizer Nationalbank gerät unter politischen Druck

25. April 2026

Peter Thiel sieht sich mit seinem Unternehmen Palantir Technologies derzeit einer neuen Welle des politischen Widerstands gegenüber, die nun auch die europäische Finanzwelt erreicht hat. So reiste eine Delegation aus Minneapolis am vergangenen Freitag zur Generalversammlung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nach Bern, um den klaren Standpunkt deutlich zu machen, dass die Zentralbank ihre Anteile im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar vollständig veräußern solle.

Hintergrund dieser kühnen und durchaus auch etwas anmaßenden Forderung sind die engen Verflechtungen des Datenanalyse-Spezialisten mit der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE sowie dessen Rolle bei Überwachungsoperationen. Diese Maßnahme markiert die Zuspitzung einer Debatte über die Vereinbarkeit von Investitionen in von Peter Thiel geführten bzw. gegründeten Unternehmen mit ethischen Anlagerichtlinien.

Die strategische Partnerschaft von Peter Thiel mit den US-Behörden

Der Zankapfel rund um diese Kontroverse ist der Vertrag, den das von Peter Thiel mitbegründete Unternehmen im vergangenen Jahr mit der US-Behörde ICE abgeschlossen hat, bei dem es im Wesentlichen um die Entwicklung hochkomplexer Überwachungssysteme ging, die im Verdacht stehen, Grundrechte zu verletzen.

Minneapolis steht dabei aufgrund der Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit, bei denen zwei Menschen tödlich verletzt wurden, besonders im Fokus, da diese Tragödien von den Aktivisten direkt mit der Technologie von Palantir verknüpft werden. So bezeichnete Janette Corcelius, ein Mitglied der Delegation, die Software vor den Aktionären in Bern als Bedrohung für die Demokratie auf der ganzen Welt. Für Palantir bedeutet diese öffentliche Konfrontation eine weitere Belastungsprobe für das Image des Unternehmens, das sich selbst als Verteidiger westlicher Werte versteht.

Peter Thiel

Factbox – Was hat die Software damit zu tun? Der konkrete Vorwurf:

Der Kern des Vorwurfs gegen das von Peter Thiel mitbegründete Unternehmen liegt in der Bereitstellung von Hochleistungs-Analysetools für die US-Einwanderungsbehörde ICE. Aktivisten behaupten, dass diese Technologie eine Form der Massenüberwachung ermöglicht, die direkt zur Eskalation bei Behördeneinsätzen beigetragen hat.

Konkret werden die tödlichen Schüsse auf zwei US-Bürger in Minneapolis im Januar 2026 mit der Software in Verbindung gebracht – die Kläger argumentieren, dass die durch Palantir ermöglichte datengestützte Überwachung und Zielerfassung die Aggressivität und Frequenz von Einwanderungsoperationen steigert. Der Vorwurf lautet, dass die Software als Katalysator für Grundrechtsverletzungen dient und somit eine systemische Bedrohung für demokratische Prozesse darstellt.

Die Verteidigungsstrategie von Palantir

Wenngleich sich das Unternehmen nicht konkret zu der jüngsten Forderung geäußert hat, dürfte die Verteidigungstrategie klar sein. So betonte CEO Alex Karp erst vor kurzem in einem Aktionärsbrief, dass die Technologie von Palantir über eingebaute Schutzmechanismen verfüge, die staatliche Übergriffe verhindern sollen. Darüber hinaus argumentierte er damit, dass die Software den Behörden lediglich dabei helfe, das zu sehen, „was gesehen werden sollte“.

Für Peter Thiels Unternehmen steht im Kontext dieser Debatte eine Menge auf dem Spiel, da die SNB ihre Devisenreserven von 725 Milliarden Schweizer Franken nach strengen Richtlinien investiert und beispielsweise Unternehmen ausschließt, die schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen begehen oder Schweizer Werte massiv missachten. Allerdings übt sich die SNB momentan noch ganz in schweizer Diplomatie, lässt sich nicht von Aktivisten unter Druck setzen und sieht daher noch keinen Anlass, sich von den Anteilen des von dem Investor geprägten Konzerns zu trennen.

Die politische Dimension für Peter Thiel

Die Reise der Delegation aus Minneapolis verdeutlich ganz klar, dass die lokale Politik in den USA bereit ist, den Kampf gegen einen vermeintlichen „Überwachungsstaat“ auf die internationale Bühne zu tragen. Die Tatsache, dass diese Bestrebungen sogar vom Stadtrat in Minneapolis unterstützt werden, zeigt, dass die Software von Peter Thiels Unternehmen nicht einfach nur als Werkzeug angesehen wird, sondern längst als Symbol für die Debatte über staatliche Übermacht und digitale Bürgerrechte gilt. Für das Unternehmen bedeutet diese Politisierung, dass jeder neue Regierungsauftrag potenziell zu diplomatischen und finanziellen Spannungen in anderen Teilen der Welt führen kann.

Factbox: Die Palantir-Beteiligung der SNB

  • Aktienbestand: 6,24 Millionen Palantir-Aktien im Portfolio.
  • Marktwert: Aktuelle Bewertung von rund 1,1 Milliarden US-Dollar.
  • Kontext: Teil der Fremdwährungsreserven von insgesamt 725 Mrd. CHF.
  • Investment-Logik: Passive Strategie zur Abbildung des globalen Marktgewichts.
  • Status: SNB hält trotz Kritik an dem von Peter Thiel mitbegründeten Konzern fest.

Peter Thiel

Peter Thiel behält die langfristige Vision im Blick

Peter Thiel hat Palantir ursprünglich als Unternehmen aufgestellt, das sich den schwierigsten Problemen staatlicher Sicherheit widmet, was, wie die aktuelle Kontroverse zeigt, als durchaus provokante Positionierung angesehen wird. Während die Aktivisten aus Minneapolis den Druck auf die Schweizer Nationalbank erhöhen, bleibt abzuwarten, ob die Zentralbank ihre bisherige passive Anlagestrategie beibehalten wird. Für Palantir geht es dabei um weit mehr als „nur“ die 1,1 Milliarden Dollar – nämlich um die Anerkennung als legitimer Akteur im globalen Finanzsystem.

Der Widerstand aus Minneapolis ist allerdings auch ein Warnschuss für Investoren wie Peter Thiel, der verdeutlicht, dass im Zeitalter von Big Data auch die mächtigsten Investoren zunehmend für die Handlungen der Unternehmen in ihrem Portfolio zur Rechenschaft gezogen werden. In Bern wurde am Freitag unmissverständlich klar, dass der Name „Peter Thiel“ auch in Zukunft untrennbar mit der harten Debatte über die moralischen Grenzen moderner Sicherheitstechnologie verbunden bleiben wird. Letztlich entscheidet sich an der Haltung der SNB, ob sein Unternehmen weiterhin als verlässlicher Partner für staatliche Institutionen gilt oder ob der öffentliche Druck eine Neubewertung der ethischen Anlagegrenzen in Europa erzwingt.

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