Template#10
Category -> News

Quiet Hiring – wichtige Tipps gegen den Fachkräftemangel

11. März 2026

Quiet Hiring – eine Methode, derer sich Betriebe seit einigen Jahren erfolgreich behelfen, wenn ihnen die Fachkräfte fehlen. Die Idee dahinter ist einfach: wenn sich extern keine geeigneten Mitarbeiter finden lassen, werden die Posten oder Aufgaben mit bereits vorhandenen Personen intern besetzt. Falls notwendig, können Schulungen und Weiterbildungen durchgeführt werden, um die betreffende Arbeitskraft für die neue Position optimal vorzubereiten. Wird das Quiet Hiring richtig durchgeführt, spart es Kosten und sorgt gleichzeitig für eine höhere Motivation unter den Mitarbeitern.

Was bedeutet Quiet Hiring?

Diese moderne Personalstrategie ist keine neue Erfindung, sondern wird schon länger genutzt. Damit lassen sich bereits beschäftigte Mitarbeiter gezielt für neue Aufgaben einsetzen, ohne neue Fachkräfte anzuwerben. Dabei können die ausgewählten Personen kurz- oder längerfristig neue Funktionen oder Aufgaben übernehmen. Mit dieser Methode schließen Unternehmen ganz gezielt Kompetenzlücken bei gleichzeitig geringem Kostenaufwand und ohne umständliche Ausschreibungs- und Bewerbungsprozesse.

Quiet Hiring

Quiet Hiring kann sich in der Praxis so auswirken:

  • Es werden interne Projektrollen besetzt oder Taskforces gebildet.
  • Es dient der temporären Übernahme bestimmter Aufgaben bei Personalengpässen.
  • Diese Methode unterstützt die Jobrotation zwischen verschiedenen Abteilungen.
  • Es führt zu gezielten Weiterbildungsprogramme für neue Rollen.

Der Fokus der Quiet Hiring Strategie liegt darin, die bereits vorhandenen Fähigkeiten und Talente der Mitarbeiter dort einzusetzen, wo die dem Unternehmen von größtem Nutzen sind.

Darum spielt Quiet Hiring eine zunehmende Rolle für Unternehmen

Die beiden für diese Personalstrategie ausschlaggebenden Faktoren sind vor allem der Fachkräftemangel sowie die steigenden Kosten für Neueinstellungen. Bei einer Einstellung externer Mitarbeiter ist zunächst ein zeitaufwändiger und teurer Prozess zu bewältigen: Personalberater und aufzugebende Stellenanzeigen kosten Geld, die Bewerbungsprozesse kosten Zeit. Zudem kann es Wochen oder Monate dauern, bis ein geeigneter Bewerber gefunden ist und die Stelle antreten kann.

Im Gegensatz dazu können interne Mitarbeiter, die durch Quiet Hiring gewonnen werden, die Positionen zügig übernehmen. Der weitere zeitsparende Vorteil liegt darin, dass die Mitarbeiter die Prozesse im Unternehmen bereits kennen und nicht erst eingearbeitet werden müssen. Quiet Hiring stärkt darüber hinaus die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen. Die Motivation, neue Fähigkeiten durch Fortbildungen zu entwickeln oder mehr Verantwortung zu übernehmen, wirkt sich außerdem positiv auf die Bindung ans Unternehmen aus. Durch diese Strategie ergibt sich damit eine Win-Win-Situation für den Betrieb und die Mitarbeiter!

So lässt sich Quiet Hiring erfolgreich umsetzen

Vorhandenem Personal einfach weitere Arbeiten zu übertragen, wird zunächst lediglich als Mehrarbeit wahrgenommen und sorgt in der Regel nicht für Begeisterung. Vor allem, wenn diese Art der Mehrarbeit nicht durch einen höheren Verdienst entlohnt wird. Beim Quiet Hiring ist es daher wichtig, drei grundlegende Punkte zu beachten, damit das Projekt nicht scheitert:

1. Offene Kommunikation mit den Betroffenen

Ein offenes Gespräch darüber, warum und wie lange diese Situation anhalten soll, entschärft den Eindruck, dass Mehrarbeit willkürlich verteilt wird oder dass das Unternehmen finanziell so schlecht dasteht, dass es sich keine neuen Mitarbeiter leisten kann.

Das Unternehmen sollte offen darlegen:

  • Welche Ziele mit den anstehenden geplanten Maßnahmen verfolgt werden.
  • Welche Entwicklungsmöglichkeiten oder Aufstiegschancen für die Mitarbeiter entstehen.
  • Wie die neue Leistung bewertet und honoriert wird.

Entfällt ein solches Gespräch, führt dies nicht nur zu Stress und Überlastung bei den Mitarbeitern, sondern auch zu Unzufriedenheit und möglicherweise Kündigungen.

2. Weiterbildung und gezielte Förderung von Talenten

Für das Quiet Hiring müssen gezielt geeignete und kompetente Personen auf die zu besetzenden Stellen ausgewählt werden. Dazu ist eine Analyse erforderlich, die die vorhandenen Talente ermittelt. Hilfreich dafür sind die Qualifikationen aus den ursprünglichen Bewerbungsunterlagen sowie hinzu gewonnene Fähigkeiten aus Weiterbildungen und Schulungen während der Beschäftigung im Unternehmen.

3. Klare Karriereperspektiven für die Betroffenen

Als Motivationshilfe ist es wichtig, den betroffenen Mitarbeitern die neuen Aufstiegschancen zu erläutern, die aus den geplanten Maßnahmen entstehen können. Dazu gehört auch die Erklärung von geplanten oder zu erwartenden Beförderungen oder Gehaltserhöhungen.

Wichtige arbeitsrechtliche Grenzen von Quiet Hiring

Quiet Hiring muss innerhalb der arbeitsrechtlich relevanten Vorgaben durchgeführt werden.

  • Obwohl eine Mehrarbeit und eine Umverteilung von Aufgaben durch das Direktionsrecht des Arbeitgebers ( 106 GewO) abgedeckt ist, ist bei einer Änderung der Arbeitsvertrag entsprechend anzupassen.
  • Falls die neuen Aufgaben beispielsweise mit einer Versetzung einhergehen, muss nach 99 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) der Betriebsrat zustimmen.
  • Für die anstehende Aufgabenverteilung oder Erhöhung des Arbeitspensums sind die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes zu beachten. Wichtig vor allem: Trotz Mehrarbeit ist die tägliche Arbeitszeit auf acht bzw. ausnahmsweise zehn Stunden ( 3 ArbZG) begrenzt.

Quiet Hiring

Quiet Hiring als strategische Chance für Unternehmen

Quiet Hiring beinhaltet zwar potenzielle Risiken, bietet aber mit einer verantwortungsvollen Umsetzung auch große Chancen, von denen alle Beteiligten profitieren. Die Nutzung und Förderung vorhandener Talente sowie die gezielte Weiterbildung bietet Unternehmen hoch qualifizierte interne Arbeitskräfte ohne langwierige Bewerbungsprozesse. Mitarbeitern eröffnen sich Entwicklungs- und Aufstiegschancen sowie höhere Entlohnungen. Eine gut kommunizierte Einführung des Quiet Hiring ist nicht nur ein Trend, sondern eine moderne Personalstrategie für Unternehmen jeder Größe. Letztlich verwandelt dieser Fokus auf interne Mobilität die Belegschaft in ein agiles Ökosystem, das weitaus flexibler auf Marktveränderungen reagieren kann als jede externe Recruiting-Pipeline. Wer die ungenutzten Potenziale der eigenen Mannschaft gezielt aktiviert, baut eine loyale Leistungskultur auf, die den teuren Kampf um externe Fachkräfte im Idealfall schlichtweg überflüssig macht.

Bildnachweise:

stock.adobe.com – Pakin

stock.adobe.com – Golden Sikorka

stock.adobe.com – Krakenimages.com