Umweltschutz und Einhaltung von Menschenrechten weltweit: Nachhaltige Lieferketten, oder auch Sustainable Supply Chains, sollen die Lösung sein. Während globale Krisen und wachsende Verbraucheransprüche Bezugswege bereits zunehmend erschweren, stehen Unternehmen vor einer weiteren Herausforderung: neue EU-Verordnungen und bereits bestehende Lieferkettenrichtlinien werden zu einem komplexen Konstrukt aus Gesetzen. Die Supply Chain muss nun nicht mehr nur effizient, sondern auch transparent, fair und umweltfreundlich sein – Herausforderung oder Chance für Unternehmen in Zeiten des Wandels?

Was bedeutet Nachhaltigkeit bei Lieferketten?

Unter einer nachhaltigen Lieferkette versteht man ein ganzheitliches nachhaltiges Wirtschaften: Es beginnt bei der Rohstoffbeschaffung und führt über den Transport und die Produktion bis hin zur Verteilung an den Endverbraucher. Um dabei Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu ermöglichen, gilt es ökologische, soziale und ökonomische Aspekte zu berücksichtigen.

Mittels nachhaltiger Lieferketten sollen negative Umweltauswirkungen reduziert und gleichzeitig global soziale Standards verbessert werden. Zudem sind sie ein Beitrag zur Förderung wirtschaftlicher Effizienz, indem der ökologische Fußabdruck minimiert wird und damit wertvolle Ressourcen eingespart werden.

Zentrale Aspekte für Nachhaltigkeit in der Lieferkette auf einen Blick

Das Konzept von nachhaltigen Lieferketten enthält folgende wesentliche Elemente:

Gesetzliche Anforderungen an die Nachhaltigkeit: Lieferkettengesetze

Unternehmer sehen sich künftig wachsenden gesetzlichen Auflagen gegenüber, um die nachhaltigen Lieferketten so transparent wie möglich zu gestalten. In Deutschland gibt es dazu bereits seit 2023 das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Ab 2026 folgen nun auch Gesetzentwürfe der EU: Mit dem sogenannten Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) und begleitenden Verordnungen wie der Entwaldungsfreie Produkte (EUDR) entsteht ein komplexes Geflecht aus Pflichten, das Unternehmen zu transparenter und verantwortungsvoller Lieferkettenführung verpflichtet. Die Lieferkettenrichtlinien und Lieferkettengesetze sollen sowohl national als auch international die Nachhaltigkeitsleistung bei Unternehmen verbessern.

EU-Lieferkettengesetz: aktueller Stand des CSDDD

Nachhaltige Lieferketten werden per EU-Lieferkettengesetz nach aktuellem Stand ab 2026 schrittweise verpflichtend. Dafür sorgt der Beschluss über das CSDDD. Es handelt sich dabei um eine Lieferkettenrichtlinie für große Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und 450 Mio. € Umsatz in der EU. Diese sollen in Zukunft dazu beitragen, dass eigene Tätigkeiten intensiver geprüft werden und die Berichterstattung über ergriffene Maßnahmen transparenter wird. Ziel dabei ist es, dass Unternehmen Risiken für Menschenrechte und Umwelt schneller erkennen und wichtige Schritte zur Vermeidung oder Minderung ergreifen.

CSDDD-Beschlüsse mit den „Omnibus-Änderungen“ Februar 2025 auf einen Blick:

EU-Lieferkettengesetz: aktueller Stand der EUDR

Das CSDDD ist längst nicht das einzige EU-Lieferkettengesetz für die Umwelt: Nach aktuellem Stand müssen Unternehmen ab Dezember 2025 nachweisen, dass sie entwaldungsfreie Produkte verwenden. Mittels der EUDR (EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte) sollen nachhaltige Lieferketten weitestgehend garantiert werden, indem die verwendeten Produkte nur von Flächen stammen, die nach dem 31.12.2020 nicht entwaldet wurden. Zum Schutz der Wälder darf die Entwaldung auch nicht legal stattgefunden haben.

EUDR auf einen Blick:

Nachhaltige Lieferketten in Deutschland: Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG)

Bereits seit 2023 existiert im Sinne der Menschenrechte und Nachhaltigkeit ein Lieferkettengesetz in Deutschland: Das LkSG verpflichtet große Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitenden in Deutschland dazu, eine nachhaltige Lieferkette vorzuweisen. Dazu zählen die Einhaltung der Menschenrechte und spezielle umweltbezogene Sorgfaltspflichten. Das Gesetz für nachhaltige Lieferketten hat den Zweck, Kinder- und Zwangsarbeit sowie Diskriminierung und Umweltschäden frühzeitig zu verhindern. Zu dem verpflichtenden Risikomanagement zählen:

Die Einhaltung wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) überwacht. Bei Verstößen drohen Bußgelder und der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen.

Gezeichnete Glühbirne mit grüner Pflanze als Inhalt.
Gezeichnete Glühbirne mit grüner Pflanze als Inhalt. | Freepik

Nachhaltige Lieferketten: Vor- und Nachteile für Unternehmen

Von den Lieferkettengesetzen profitieren sollen vor allem die Umwelt und Menschen, indem sie unter fairen Bedingungen arbeiten. Doch die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben für nachhaltige Lieferketten bringt gleichzeitig auch Herausforderungen mit sich.

Vorteile

Nachhaltige Lieferketten haben folgende vorteilhafte Aspekte für Unternehmen:

Herausforderungen

Trotz der zahlreichen Vorzüge gibt es auch Kritikpunkte zu nachhaltigen Lieferketten. Sie bringen Risiken für Unternehmen mit sich und gesetzliche Herausforderungen:

Nachhaltige Lieferketten: der Schlüssel für die Zukunft?

Nachhaltige Lieferketten sind längst mehr als ein moralisches Ideal, um das Unternehmensimage zu verbessern – sie sind wirtschaftliche Notwendigkeit und gesetzliche Verpflichtung zugleich. Sie bieten Unternehmen die Chance, in Zeiten des Wandels wettbewerbsfähig zu bleiben, Ressourcen effizienter zu nutzen und gesellschaftliche Verantwortung sichtbar zu übernehmen. Doch um dem gerecht zu werden, braucht es transparente Prozesse, klare Zuständigkeiten und eine strategische Auseinandersetzung mit sozialen und ökologischen Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die EU-Lieferkettengesetze können mit ihrem aktuellen Stand und den Omnibus-Änderungen voraussichtlich nur einen Bruchteil der Bezugswege nachverfolgen – selbst in Verbindung mit dem LkSG. Wer die nachhaltigen Lieferketten aber als Investition in die Zukunft versteht, hat die Chance, sich langfristig im Markt zu platzieren und Vertrauen bei Kunden, Investoren und Partnern zu gewinnen.

Wer sich weiter mit nachhaltigen und wirtschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen möchte, findet in unserem Ratgeber und den aktuellen News umfassende Informationen in unserem Wirtschaft-Magazin.